Katholische Kirche Mater Dolorosa
Sulzbuerger Wappen
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Kath. Kirche Mater Dolorosa

Der folgende Text ist ein Auszug aus einer Seminarbeit von Hanne Kohlmann. Wir danken Frau Kohlmann für die Erlaubnis zur Veröffentlichung und Herrn Franz Holzer für die Digitalisierung:

Die beiden Kirchen auf dem Schlossberg zu Sulzbürg,
Evangelische Schlosskirche “St. Michael” -
Katholische Pfarrkirche “Mater Dolorosa”

(Text: Hanne Kohlmann, Auszug: Franz Holzer,
Gliederung und Inhaltsverzeichnis: Franz Holzer und Klaus Weichselbaum)

Inhalt:
Geschichtliche Hintergründe
Erste katholische Kulträume
Zwischenspiel in der Evangleischen Schlosskirche
Bau der Katholischen Kirche
Wallfahrt
1. Renovierung
Renovierung 1876 - 1884
Weitere Änderungen
Renovierung 1957
Innenausstattung
Turm und Glocken

Geschichtliche Hintergründe

Auf dem Schlossterrain, südlich des protestantischen Gotteshauses, erhebt sich die katholische Pfarrkirche "mater dolorosa".
Der Bau einer eigenen katholischen Kirche wurde erst nach dem Tode des Grafen Christian Albrecht von Wolfstein notwendig. Bis dahin gab es nur eine katholische Familie, die in der Herrschaft ansässig war, nämlich die des Scharfrichters. Als das ganze Landl, unter der Führung des Grafen von Wolfstein, 1558-1584 zum evangelischen Glauben übertrat, hatte man dieser Familie den Glaubenswechsel freigestellt, da sie kein ehrbares Handwerk ausführte.
Sie unterlag aber dem Pfarrbanne, d.h. für Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen war ein evangelischer Geistlicher zuständig. Der Bann war so streng, dass keine katholischen Kulthandlungen auf wolfsteinischem Territorium vorgenommen werden durften. Am 5.11.1698 kam zwischen Bischof Martin von Eichstätt und dem Grafen Christian Albrecht von Wolfstein ein Vertrag zustande, der diesen Bann lockerte. Er war auf sechs Jahre gültig, wurde aber 1707 und 1715 wieder erneuert.
"Demzufolge sollten die 2 kath. Pfarrer von Pollanten und Freystadt - ein anderer nicht - die sterbenden Katholiken in der Reichsgrafschaft - hingegen andere nicht - providieren dürfen, aber nur in aller Stille, und nur nach vorher eingeholter Erlaubnis bei dem Sulzbürger Pflegeamt und vorher erfolgter Anmeldung bei dem Zuständigen prot. Pfarrer und dem Hauptmann, d.h. dem Bürgermeister des betreffenden Ortes. Auch dürften zufolge dieses Vertrages die Katholiken der Reichsgrafschaft in den kath. Friedhöfen von Pollanten und Freystadt begraben werden, müssen aber die Beerdigungskosten auch dem zuständigen prot. Pfarrer entrichten."
"Hingegen wird alleine beeden Pfarern zu Oberndorf und Bachhausen vergoenstiget mit gleichmaessigen Anmelden ihre im hoch stifft Eichstaedt darnieder liegende Religions verwandte zu providieren."
Am 20.April 1740 starb Christian Albrecht von Wolfstein. Mit ihm erlosch sein Geschlecht und die Grafschaft fiel als erledigtes Reichslehen an Bayern.
Der bayerische Kurfürst gewährte Religionsfreiheit; er versprach den Protestanten, dass sie wie bisher in ihrem Glauben leben und diesen frei ausführen dürfen.
"Der Reichsgräfin-Witwe wurde neben lebenslänglicher Wohnung im Schlosse und Jahrespension von 12.000 Gulden zugesichert, dass sie bis zu ihrem Lebensende die Schlosskirche für sich und ihre Dienerschaft zum prot. Gottesdienste benützen dürfe. Selbstverständlichkeiten?!... Er verfügte weiter, dass von nun ab auch kath. Bürger sich dauernd im Gebiete ansässig machen dürfen und dass kath. Kulthandlungen zu gestatten sind. Endlich hob er den Pfarrzwang auf und teilte die Katholiken des Gebietes der Kuratie Sondersfeld zu."

Erste katholische Kulträume
Bald wurde ein Raum im Schloss, der ´große Saal´, für kath. Gottesdienste eingerichtet.
"1741 Mai 23 (dritter Pfingstfeiertag) Der Dechant von Neumarkt Nieberlein liest im Schloss zu Sulzbürg die (erste) Hl. Messe (wahrscheinlich bei Benediktion der Kapelle)..."
Im Jahre 1745 wurde ein eigener Schlosskaplan (J.G. Gmelch) angestellt. Fünf Jahre später, am 19.Oktober 1750 berief der Kurfürst zwei Kapuziner als Hofpatres und Missionare nach Sulzbürg. Er ließ ihnen im ehemaligen Oberamtshause ein Hospiz einrichten.
"1751 Bau des Hospiziums ´von Grund auf´ durch den Maurermeister Georg Kerl von Schmellnricht, ´den Erbauer des Sulzkirchener Kirchturms´..."
Von da an diente die Hauskapelle des Hospiziums als Kultstätte.
Ab 150 wohnten kurfürstliche Beamte mit ihren Familien und Bediensteten in Sulzbürg. Auch wurde die Zuwanderung von Katholiken aller Stände planmäßig begünstigt.
"Die Allodialgüter hatten die Reichsgrafen schon verpachtet. Wurden sie frei, wurden sie nun regelmäßig an kath. Familien verpachtet. So die Mühlen, die Brauerei Mühlhausen, die Melbereien, der Salzhof, der Schafhof, das Waschhaus, die Ziegelei usw.. Alle Handwerksmeisterstellen wurden nach und nach mit Katholiken besetzt. Den Katholiken wurde gegenüber den Handelsjuden das Vorkaufsrecht eingeräumt."

Zwischenspiel in der Evangleischen Schlosskirche
Die Zahl der katholischen Familien stieg immer weiter an. Es ist klar, dass die Hauskapelle des Klosters bald nicht mehr alle Gläubigen aufnehmen konnte. Der Kurfürst beschloss deshalb die Schlosskirche den Katholiken zu überweisen.
"Am 3.Juli 1755 wurde die ganze Gemeinde zusammenberufen und ihr durch die kurfürstliche Administration der Beschluss des Kurfürsten mit dem Beigefügten bekannt gemacht, dass die Sulzbürger nur mehr die Marktkirche, die Einwohner von Kruppach, Wettenhofen und Rocksdorf die Kirche in letzterem Orte zu besuchen haben. Dagegen protestierten die protestantischen Bewohner nicht nur beim Kurfürsten in München, sondern auch beim corpus evangelicorum in Regensburg.
Als der preußische Hof, König Friedrich der Große, für die bedrängte evangelische Gemeinde Sulzbürg-Rocksdorf ganz energisch eintrat und drohte, 3 kath. Kirchen in seinem Lande so lange zu schließen, bis die prot. Schlosskirche in Sulzbürg wieder geöffnet würde, nahm der Kurfürst das Dekret wieder zurück und überließ den Protestanten wieder die Schlosskirche. Nachdem 36 Wochen lang daselbst kein Gottesdienst gehalten worden war, fand der erste evangelische Gottesdienst wieder am 15. Februar 1756 statt. Im Jahr 1815 .... Erzählte man, dass der katholische Beamte Graf von Preysing, als die Schlüssel zur Kirche von ihm abgeholt wurden, sie zum Fenster hinaus in den Schlossgraben geworfen haben soll."
Der Ortchronist Martin Lucker schreibt darüber:
"... Man wollte sie uns auch wegnehmen, aber sie haben es nicht gewonnen. Es war ein großes Zusammenhalten in der Pfarrei. Der König von Preußen hat uns wieder dazu geholfen. (An sich war die Kirche mit der Herrschaft an Bayern übergegangen und der Bayer. Kurfürst daher berechtigt, in Herrschaft und Kirche den katholischen Kult wieder einzuführen. Durch Vermittlung der prot. Stände des Reiches verzichtete er auf dieses Recht und erbaute für die neue kath. Beamtenschaft eine eigene Kath. Kirche, das erste Beispiel der Toleranz in Deutschland. Anm. des Herausgebers)... Erst wie dieser Beamte namens Verger, Verschi hat man ihn immer geheißen, von hier fort gekommen ist, da sind unsere Schlüssel von der Schlosskirche (der Gräflichen) uns zu Händen gekommen. Denn solange der Beamte im Schloss amtiert hat, haben jederzeit, wann die Kirche zugemacht wurde, vom Mesner die Schlüssel in das Schloss hineingetragen werden müssen, wo ein eigener Nagel an der Wand der Schlosskanzlei angebracht war, wo sie der Mesner hinhängen musste und wann er sie wieder gebraucht hat zum Aufmachen, da hat er sie wieder geholt....Unsere Voreltern haben viel und lange um diese Kirche gestritten, es wäre bald zu blutigen Auftritten gekommen."
Kurfürst Maximilian II. Josef hatte 1755, nach dem Tod der Reichsgräfinwitwe, das gesamte Familiengut der Wolfsteiner um 226.000 Gulden erworben. Es wäre daher sein Recht gewesen, über die Kirche zu verfügen.

Bau der Katholischen Kirche
Um weitere Streitigkeiten zu vermeiden, ließ er 1756 eine eigene katholische Hof- und Missionskirche, neben dem protestantischen Gotteshaus, errichten.
Sie wurde nach den Plänen seines Hofunterbaumeisters Johann Bauer an das Kapuzinerhospizium angebaut.
"Der Bildhauer und Stukkateur Johann Michael Berg führte die bescheidene Stukkaturarbeit aus (kurbayerisches Wappen an der Decke und Apostelleuchterrahmen), außerdem lieferte er Bildhauerarbeiten für die Altäre. Auch die Stuhlwangen schnitzte er. 1757 wurde ihm die Arbeit beim Pfarrkirchenbau in Berching übertragen. Die Arbeiten in Sulzbürg vollendete der Allersberger Bildhauer Johann Michael Schreyer. Als Schreiner war der Kapuzinerfrater Wendelin beschäftigt."
Auch der Maler Forster wird in einem Schriftstück aus dem Pfarrarchiv genannt.
"Damals lebte auch Josef Nikolaus Forster hier, Malerssohn von Plankstetten, der im Jahre 1756 ff die neuerbaute katholische Kirche ausgemalt hatte und als großer Künstler gegolten hat. Er wohnt im Orte."
Dass dieser Maler Forster die ursprünglichen Deckengemälde von 1757 geschaffen hat, bezweifle ich. Sicher ist, dass die erste Decke das kurfürstl.-bayer. Wappen, eingerahmt von Stuckarbeiten getragen hat.
Die Kirche besaß auch von Anfang an nur einen Dachreiter, der am Westende des Langschiffes dem Giebeldach aufgesetzt war.
Die Geldmittel für den Bau des Gotteshauses, der 2 Jahre dauerte, stiftete die Kabinettsherrschaft. Am 1.11.1757 wurde es durch den Guardian von Eichstätt feierlich benediziert.
"... Im April des gleichen Jahres, also ein halbes Jahr vor der hl. Benediktion bereits, wurden in ihr schon Taufen und ähnliche sakrale Handlungen durchgeführt." Dazu konnte ich in einem anderen Artikel finden:
"von 1756 - 1758 wurde an der Kirche gebaut, in der am 13. April 1758 die erste Taufe stattfand. (20,v.4.9.1927).
Dies erscheint mir glaubwürdiger.
Allem Anschein nach wurde an der Kirche noch bis zum Jahre 1758 weitergebaut. Dies geht aus einer Urkunde des Klosters Plankstetten hervor, in der von einem 'Jahrespontificalamt' in Sulzbürg die Rede ist, bei dem auch der damalige Administrator von Plankstetten zugegen war. Er überbrachte als Geschenk die Nachbildung eines Meßgewandes, das der Administrator P. Ignaz Trauner im Jahre 1692 zusammen mit anderen Kirchengewändern um 600 fl in Sulzbürg gekauft hatte.('... wobei er dem Grafen Albert von Wolfstein auf Sulzbürg 1500 fl als Darlehen gegeben ...') und das der berühmt gewordene Abt Maurus Xaverius Herbst kurz vor seinem Tode (1757) der zukünftigen Sulzbürger Kirche versprochen haben soll." (20,v.26.10.1957)
Die kath. Pfarrkirche feierte im 18. Jahrhundert wie es zu dieser Zeit Brauch war, 3 Patrone.
In erster Linie war sie der schmerzhaften Mutter geweiht. Da aber deren Patrozinium am Schmerzensfreitag gefeiert wurde, (erst 1814 auf den September verlegt) fiel die Festoktave aus.
Als zweiten Patron ehrte man den erst 1746 heiliggesprochenen dann zum Patron des Kapuzinerordens erkorenen, Fidelis von Sigmaringen. Er war gleichzeitig Schutzpatron der Katholiken, die in der Minderheit unter Andersgläubigen wohnten. Sein Bild ist heute noch über dem linken Seitenaltar in Medaillonform zu sehen. Das Fest des hl. Fidelis war mit Oktav gefeiert worden; man hatte es deswegen als Hauptfest angesehen.
Außerdem war von den Kapuzinern als Patron des zweiten Nebenaltares der hl. Franziskus von Assisi anerkannt worden.

Wallfahrt
2) Bis zur Säkularisation pilgerten viele Wallfahrer zur 'mater dolorosa' nach Sulzbürg,
Die Kapuziner führten hier, wie auch in Pyrbaum, "wegen der vorzüglichen Verehrung die das kurfürstliche Haus der schmerzhaften Mutter in der Herzogspitalkirche in München erwies, das Bild derselben, und zwar eine Nachbildung der hochverehrten Herzogspitalbildes ein, die noch dazu, nach damaligen Gebrauch, am Münchner Gnadenbild war angerührt worden und machten es zum Hauptbilde des Hochaltares. Gleichzeitig bemühten sich die Patres sowohl nach Sulzbürg als auch nach Pyrbaum seit 1758 Wallfahrtszüge aus der Umgegend zu diesem neuen Gnadenbild in Gang zu bringen. Das gelang ihnen auch ..." (20.Nr.8.1933)
Ihren Höhepunkt erreichten die Wallfahrten im Jahre 1796. Damals herrschte wegen der französischen Revolution große Angst unter der Bevölkerung.
Aus der Zeit der Wallfahrtszüge stammen sicher auch einige Gaben, die das katholische Kircheninventar aufführt:
"1852 Bei der schmerzhaften Mutter in Sulzbürg ‘Ehetaler im Werte von 200 - 300 fl an Seidenbändern aufgereiht und von 2 Engeln neben der Statue gehalten’, Aufstellung in Pyramiden nicht gestattet.” 1854 nennt das Kircheninventar ‘5 Kronen von Silberblech, 2 Levitenröcke, 10 Vela für Ziborium, Statuen des Heiligen Geistes und Herzens Jesu, 1 Tragorgel, 7 Muttergotteskleider in weiß, rot, blau und gelb, Ewiglicht nur an Sann- und Feiertagen während des Gottesdienstes in 5 Ampeln, 1 Baldachin für das Hochaltarkreuz, 81 Denkmünzen in 4 Pyramiden, 6 Ringe, 1 Halsgehänge, 2 Armbänder von der Generalin Heidecker’ (JOS.569)
Auch weisen 4 Beichtstühle darauf hin, dass viele Wallfahrer die Kirche aufsuchten.

Die Kapuzinerpatres, die als Missionare vom Kurfürsten nach Sulzbürg berufen worden waren, führten folgende Titel:
“1) Superior
2) Festprediger
3) Sonntagsprediger
Sie hatten in der Pfarrkirche den Gottesdienst zu halten. Seit 1775 war in der Brauerei Mühlhausern eine Hauskapelle eingerichtet. Auch da mussten sie mehrmals in der Woche, sowie jeden Sonn- und Feiertag Gottesdienste halten.

Superior :
P. Euthymius 1794-96
P. Franz Seraph 1796-97
P. Pizmilian 1797-99
Festprediger:
P. Noe 1795-97
P. Edmund 1797-1800
Sonntagsprediger:
P. Virgilius 1794-99

Wir dürfen sie uns nicht als Fanatiker vorstellen; demzufolge kurfürstlicher Entschließung vom 5.10.1750 durfte der Kapuzinerprovinzialat immer nur äußerst tolerante Patres und grundgeistige, fromme Männer nach Sulzbürg abordnen. Die Patres durften nicht kollektieren; darum war kein Klosterbruder hier, sondern nur Patres." (19,B1.3)

Sie versuchten, wie ihnen aufgetragen war, auch Andersgläubige zum katholischen Glauben zu bekehren. Dabei hatten sie wenig Erfolg, wie aus einem Klagelied über den "schwachen und langsamen Fortgang der hiesigen Mission" hervorgeht. "Der Kurfürst unterstützte aus eigener Kasse die Protestanten, die katholisch werden wollten. So hat er am 13. April 1773 (Hofkammer Nr. 4468) von München aus verfügt, dass Michael Pachhofer (Sohn des ev. Mesners und selbst ev. Mesner in Sulzbürg ‘zu den P.P. Capuzinern daselbst des unterrichtswillen in den cath. Glauben übergeben und bis zur Ablegung der Glaubensbekundtuung dann täglich 15 Kr. verricht (?), nachgehens aber zu einem selbstig anständigen profession auf unsere Kosten in die Ehe gegeben werden solle’ .... Wenn auch der Fortgang der Mission der Kapuziner nach dem Bekenntnis eines von ihnen, nur ein ‘schwacher und langsamer’ war, so war doch ihre Arbeit nicht ganz umsonst. So gewannen sie in Sulzbürg den ev. Mesnerssohn und Mesner Michael Pachhofer (Hofkammer 4473) und vor allem aber den Sohn des Cantors und Organisten Gg. Paul Heberlein bei dessen ‘Ablegung der Lutherischen Lehre und Annahme des wahren alleinseligmachenden kath. Glaubens’ der Vater ‘weder mit Worten minder mit niedrigen Gemütsregungen sich im ... geäußert und der im Jahre 1761 Hofkammer Commercien Departationscanzlist war.’" (4,S.239)
Außer diesen beiden traten auch andere Personen zum katholischen Glauben über.
"Denn Orthmayer unterscheidet bei den Katholiken in der hiesigen Herrschaft teils ‘bekehrt Lutherische’ theils ‘von der Pfalz nach und nach in hiesiger Herrschaft sich eingekauffte catholische Untertanen.’"
Die Kapuzinerpatres mussten am Osterdienstag von Sulzbürg abziehen. Damit hörten auch die Missionierung und die Zeit der Wallfahrten auf.
Am 14. Februar 1803 wurde bereits der erste Weltpriester aufgestellt und der Pfarrei das Kloster als Dotation überlassen.
Ein Jahr später, am 20. Februar 1804, hat man als alleiniges Patrozinium der Pfarrkirche "mater dolorosa" festgesetzt.

1. Renovierung
3a) An diesem ehrwürdigen Gebäude wurde lange Jahre keine Erneuerung oder Veränderung durchgeführt. Deshalb stürzte 1815 die Decke, die das in Stuck gefasste kurbayerische Wappen zierte, herab. Einige Jahre zuvor war schon der Dachreiter schadhaft geworden.
Ich vermute, dass dieser einen zu großen Druck auf Umfassungsmauern und Decke ausgeübt hatte. Das könnte die Ursache dafür gewesen sein, dass die Decke nach knappen 60 Jahren abfiel. Wenn der Maler Forster oder Förster die Fresken an der ursprünglichen Decke gemalt hätte, wären sie 1815 zerstört worden.
Der Sulzbacher Kalender (12) aus dem Jahre 1861 beweist jedoch, dass in diesen Jahren das Gotteshaus "mit schönen, vom Maler Förster aus Sulzbürg gelieferten Fresken geziert " war, "welche die Geburt Christi" darstellten. Ich nehme daher an, dass, nachdem 1815 die ersten Gemälde abgefallen waren, Josef Nikolaus Forster beauftragt wurde, neue Fresken zu schaffen.

Renovierung 1876 - 1884
b) Eine alles umfassende Renovierung ist in den Jahren 1876 - 1884 durchgeführt worden.
Mit dem Dachreiter, der schon lange Zeit baufällig war, hatte man den Anfang gemacht.
"Am 9.Nov.1876 genehmigte der Kammerausschuß unter seinem Referenten Domkapitular Dr. Anton Schneid v. Bamberg, die von der Kreisbaubehörde Regensburg für den Bau eines Turmes an der Ostachse der Kirche (der früher von Fachwerk und auf der Kirchenmauer ruhende an der westl. Achse wurde halb Mitte Februar bis Mitte März 1876 wegen Einsturzgefahr abgetragen) von 20 000 angesetzte Summe. Trotz zweimaligen Ausschreibens durch das Landbauamt Regensburg wollte sich kein Submittend zur Übernahme zu der veranschlagten Summe von 19 000 Mark finden. Jeder verlangte 27 - 30% Aufgebot." (23) Da nicht mehr Geld als der bewilligte Betrag vorhanden war, wollte das Kreisbauamt den Turm am nordöstl. Eck des Kirchenschiffes anbauen; dies hätte einige tausend Mark weniger Kosten gebracht. Doch der Pfarrer war damit nicht einverstanden und so geschah vorerst nichts.
Im Frühjahr 1877 fand sich dann Baumeister Egner aus Neumarkt bereit, den Turmbau an der Ostachse der Kirche um 20 000 Mark zu übernehmen.
Beim Abbruch des Dachreiters hatte man die Deckengemälde beschädigt. Dies geht aus einem Protokoll der Versammlung der kath. Kirchenverwaltung vom 18.Juni 1877 hervor.
"Bekanntlich ruhte der Thurm der kath. Kirche dahier auf .... schweren Balken, die auf dem Boden des Langhauses derselben befestigt waren. Beim Abbruch des Thurmes mußten diese herausgenommen werden. Durch diese hiermit verbundene Erschütterung des Bodens, der sich auch dem Druck der .........stürzte bereits im März vorigen Jahres eine große Fläche des .. Meter haltenden Frescogemäldes herab."
Wegen dieses Missgeschicks mussten wieder neue Deckengemälde angefertigt werden.
"In Bezug auf die Persönlichkeit, welcher die Ausführung der Fresken übertragen werden solle, möchte sich die des Malers Georg Lang von Deining als die gerechteste darstellen. Er hat in mehreren Kirchen bereits Frescogemälde zur vollsten Zufriedenheit der .... und des kgl. Bezirksamtes Neumarkt ausgeführt, ist von diesem als befähigter Maler anerkannt und hat für seine Arbeiten eine Summe von Marken veranschlagt, für die jeder andere ebensoviel und noch mehr Gulden berechnet haben würde, nämlich nur 680 Mark."
Die Mitglieder der Kirchenverwaltung hatten folgende Aufgabe:
"1) den korrupten Zustand der Freskogemälde in der Kirche zu bestätigen,
2) die Nothwendigkeit, deren Wiederherstellung anzuerkennen und zwar während der Thurmbauzeit
3) das k. Ärar zur Beisteuerung der hierfür erforderlichen Beträge in Kenntnis zu setzen.
Die sovielmehr vorstehenden Fragen bejahten, so wurde der einstimmige Beschluß gefaßt:
Die zunächst durch den Abbruch des alten und Aufbau des neuen Thurmes korrupten Frescogemälde der kath. Kirche zu Sulzbürg sollen neu ausgeführt und männiglich repariert werden.
                                   Prandl-Pfarrer."
Die Restauration der Decke wurde, nicht wie gewünscht während der Turmbauzeit, sondern im Jahre 1879 durchgeführt. Georg Lang aus Deining malte die Fresken im Nazarenerstil laut Kostenvoranschlag um 680 Mark. Sie stellten in einzelnen Bildern dar: Mariä Verkündigung, die Übergabe des Schlüsselamtes an Petrus, die Auferstehung, an den Seiten der Decke die zwölf Apostel und als Hauptbild die Anbetung der Hirten und Könige.
In den folgenden Jahren 1881 - 1884 wurde im Innern der Kirche, nach Plänen des Domvikars Dengler, nahezu alles umgeändert. Die Maler Koller und Luxenhofer von Neumarkt und Holzner von Amberg führten die Arbeiten aus. Johann Koller lieferte am 7.März 1881 einen Kostenvoranschlag (Endsumme 3652,37 M), der alle Teile, die zu renovieren waren, erhielt. Dieser bezog sich besonders auf die drei Altäre des Gotteshauses.
Wie sich das Landbauamt Regensburg zu den abgeschlossenen Arbeiten äußerte, zeigt ein Schreiben vom 12.5.1885: "Die im Kostenvoranschlag genehmigten Arbeiten wurden gutgeheißen... soweit sie nicht den Hochaltar betreffen. Was jedoch diesen betrifft, so ist folgendes zu bemerken: Es war unter den durch oben genannte Entschließung gutgeheißenen geringen Abänderungen mit dem ... Kostenvoranschlage genehmigt worden, daß der bestehende Hochaltar renoviert werde. Zu diesem Zwecke hätten sämtliche Positionen des hieher bezüglichen Theiles des Kostenvoranschlages durchgeführt werden müssen. Nicht durchgeführt wurden jedoch die Positionen:
Ziff 1 lit a) Poss. 2,4,5,6+7
           b) Poss. 9,90,11+13
           c) Poss. 22+24
Die in diesen Positionen aufgeführten Gegenstände (Engel u.a. ) wurden ganz beseitigt und hat dieselben nach Aussage des Herrn Pfarrprovisors Frech der Maler Koller an sich genommen. Der Grund der Bestrittigung ist der, daß statt der genehmigten Renovierung des alten schönen und mit allen anderen Kircheneinrichtungsgegenständen und mit der Kirche selbst stylistisch vollkommen im Einklang stehenden Hochaltares unter Verwendung und Abänderung eines Theiles von dessen einzelnen Stücken ein im höchsten Grade unvorteilhaft wirkender, die stylistische Einheit der Kirche zerstörender neuer Altaraufbau hergestellt wurde, dessen unterm Theil, der an und für sich sehr schön ist, weil an ihm nichts verändert wurde, in sehr unschöner Weise oben horizontal abschließt, während sich über diesen eine Art Baldachin von 4 Säulen, 4 Volutenträgern und einer Krone gebildet erhebt. Wahrscheinlich um eine perspektivische Wirkung zu erzielen, sind die beiden hinteren Säulen enger gestellt als die anderen. Die das ganze krönende Krone wirkt in ihrer zu den übrigen Theilen des Altares in gar keinem Verhältnisse stehenden Größe geradezu lächerlich. Das an der Rückwand angebrachte Kreuz, welches wohl auch neu hergestellt sein dürfte, da es dem Style der Kirche so gar nicht angepaßt - nebst den zu beiden Seiten über die Rückwand zerstreuten Engelgestalten lenkt die Blicke de Beschauers in wohlthuender Weise wenigstens einigermaßen von den auf diesem Hintergrunde vermutlich von einem Anstreicherlehrling in breiten düsteren Tönen aufgetragenen Bilde ab. Durch nichts gestört wird jedoch der Blick bei der Betrachtung des im oberen Teile des Bildes zu schauenden Naturphänomenes: Sonne und Mond leuchten nebeneinander in schönster Gluth, nur gerade die der Sonne zugewendete Seite des Mondes ist dunkel geblieben. - So ist wieder etwas vorhandenes Gutes der graffierenden, Abänderungswuth zum Opfer gefallen."
Der Hochaltar wurde damals in einen Zustand versetzt, der von seiner früheren Schönheit nichts mehr ahnen ließ. Sechs Barockengel, die aus der kurfürstlichen Residenz in München stammten, das Altarblatt samt Rahmen, die Opfertüren am Hochaltar, viele Verzierungen, und einiges mehr, verschwanden während dieser Renovation.
Die Marmorierungen auf Säulen, Altären, Beichtstühlen, an der Kanzel und am Speisegitter, auch die kunstvolle Schnitzerei an den Bänken hatte man einfach mit dunkelbrauner Ölfarbe angestrichen.
Alles wurde dem Zeitgeschmack des 19.Jahrhunderts, dem Klassizismus angepasst.

Weitere Änderungen
Im Jahre 1906 hat L. Edenhofer - Deggendorf eine neue Orgel aufgestellt, die heute noch in Betrieb ist. Ihr Gehäuse lieferte Schreiner (?) Regensburg; gleichzeitig wurde die zweite Empore beseitigt. Die Kostendeckung von 3950 Mark übernahm der Dispositionsfond.
1915/16 wurde das Äußere der Kirche erneuert; die Kosten dafür brachte das Ärar auf.
Auch ist 1925 das elektrische Licht in der Kirche eingerichtet worden.

Renovierung 1957
Bis 1957 mußte die Kirche die unschönen Folgen der Restaurierung von 1876-84 tragen.
Anlässlich des 200-jährigen! Bestehens, das in diesem Jahr traf, hatte man versucht, den ursprünglichen Zustand des Gotteshauses wieder herzustellen.
Vor allem wurde der ganze Raum, Decke, Wände und besonders die Stukkaturen, wieder weiß getüncht. Unter dem Braunen, nachgedunkelten Lackanstrich kamen die Marmorierungen und Schnitzereien wieder zum Vorschein. Die vergoldeten Teile wurden neu mit Gold überzogen. Auch hat man das düstere Bild und die Krone vom Hochaltar entfernt. An ihrer Stelle überdacht jetzt ein Baldachin die Kreuzigungsgruppe.

Handwerker und Firmen, welche die Arbeiten ausgeführt haben, waren:
Gustl Ambos, Berching; Fa. Schmer, Eichstätt; Ludwig Kerl, Rocksdorf; Albert Kerl, Sulzbürg.

Schließlich sind im selben Jahr die alten Gemälde, die zum verschönerten Kircheninnern nicht mehr gepasst haben, übermalt worden. Nach Weisungen der Sachverständigenkomission für Kunst in München wurden sie durch neue, helle und klare Bilder ersetzt.

Innenausstattung
4) Die Deckengemälde sind, in Kaseintechnik, von Sigmund Spitzner aus Parsberg gemalt worden; sie fügen sich gut in das barocke Gewand der Kirche ein.
Die Bilder enthalten Ausschnitte aus dem Leben Jesu und Mariens: Mariä Geburt, Mariä Verkündigung, Maria bei der Base Elisabeth, Geburt Jesu, die Flucht nach Ägypten und der Leichnam Jesu in den Armen seiner Mutter. Das Mittelgemälde zeigt die Aufnahme Mariens in den Himmel. Das bayerische Wappen, in der Nähe des Hochaltares, erinnert uns heute noch an den Erbauer der Kirche.
Der Innenraum des Gotteshauses ist, wie das ganze Gebäude, der Bauzeit entsprechend, im Barockstil gehalten.

Der Hochaltar erweist sich durch seinen wertvollen geschnitzten und vergoldeten Tabernakel als eine würdige Wohnung des Allerhöchsten. Kleine Barockengel und silberne Leuchter schmücken ihn. Kunstvoll ist die frühbarocke Kreuzigungsgruppe, besonders die Statue der schmerzhaften Mutter.
Das Hauptbild des linken Seitenaltares ist eine bedeutsame Arbeit des Venetianers Jacopo Amigoni. Werke dieses Künstlers zieren auch die Klosterkirche Benediktbeuren, die Schlösser Schleißheim und Nymphenburg.
Kurfürst Maximilian III. Joseph hat dieses Bild aus der Residenz in München, wo Amigoni für ihn gemalt hat, in die Sulzbürger Pfarrkirche bringen lassen. Es stammt aus dem Jahre 1752 und zeigt die Enthauptung des hl. Maximilian von Calej. Im Medaillon darüber ist der hl. Fidelis von Sigmaringen dargestellt. Die beiden Bilder sind eingerahmt von Marmorierungen und vergoldeten Verzierungen.

Ebenfalls ist die Kanzel, an der Südwand des Gebäudes, reich geschmückt.

Der rechte Seitenaltar wird durch ein Gemälde aus dem Jahre 1750 hervorgehoben. Es zeigt den hl. Franz von Assisi, den Begründer der Franziskaner- und Kapuzinerordens. Der Meister dieses Werkes war Maler Speer aus Regensburg, der u.a. auch die Deckengemälde des ehemaligen Minoritenklosters in Maihingen schuf.

Betstühle, die sehr schöne Schnitzereien aufweisen, füllen den Raum aus).

Ebenfalls 1957 wurden die Außenwände neu verputzt. Sie sind weiß-grau und die Fenstereinfassungen in weiß gehalten.

Turm und Glocken
Dem Turm sieht man es kaum an, dass er erst später an das Kirchenschiff angebaut worden ist. Im Gegensatz zu dem der evangelischen Schlosskirche trägt er einen Zwiebelaufsatz.

Innern dieses es Turmes hängen drei Glocken.
Die kleinste von ihnen, GIS', ist die älteste. Sie stammt entweder aus dem Jahre 1867, noch vor dem Turmbau, "1867 für den Dachreiter der kath. Kirche 3 Glocken von Jäger-Eichstätt” oder aus dem Jahre 1908. "1908 Neue Glocken von Klaus- Heidingsfeld um 5 000 K"
Während des 2.Weltkrieges mussten zwei Glocken zur Einschmelzung für Kriegswaffen abgeliefert werden. Das konnte ich aus der Akte "Die Glocken unserer Pfarrkirche" entnehmen: "im Mai 1942 wurden von unserer Pfarrkirche zwei Glocken abgenommen (Empfangsbesch. v. 28. Mai 1942 Nr. 218, 220). Dieselben gemäß amtlicher Mitteilung des Provinzialkonservators der Provinz Schleswig-Holsteins als A-Glocken eingeschmolzen. Das Gesamtgewicht der 2 abgelieferten Glocken betrug 1253 kg. Der Wert derselben betrug 3002,20 Mark (Rechnung der Glockengießerei Klaus, Heidingsfeld a. Main v. 24. Nov. 1908)..." Erst 1950 wurden dafür zwei neue Glocken aus Euphon von Karl Czudnochowsky, Erding, bestellt.
Die Anschaffungskosten und Montagearbeiten beliefen sich auf ca. 10 000 DM. Am Palmsonntag, den 2.April 1950, fand die Weihe durch H.H. Prälaten Dr. L. Bruggaier statt. Diese beiden Glocken, DIS' und VIS', haben einen Durchmesser von 129 und 106 cm. Die größere von ihnen wird Christkönigsglocke, die andere Bruder-Konrad-Glocke genannt.
Die kleinste der drei Glocken trägt den Namen Marienglocke.
Mit dem Geläut der Schlosskirche St. Michael ergeben sie zusammen das TE-DEUM-Motiv.

 

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