Landlgeschichte - Landlgeschichten
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Die folgende Schrift wurde von Pfarrer Rudolf Kießling verfasst und unter dem Titel “Landlgeschichte - Landlgeschichten” in Heftform herausgegeben. Wir danken Herrn Pfarrer Kießling für die Erlaubnis zum Abdruck und dem Franz Holzer für die profesionelle Umsetzung in die digitale Form und an die neue Rechtschreibung. Die Zeichnungen stammen ebenfalls von Pfarrer Kießling.

Landlgeschichte - Landlgeschichten

Inhaltsverzeichnis

Landlgeschichte
Vom Pandurenloch bis zum Nachtwächter von Sulzbürg
Von einer Geschichtskorrektur und schrecklichen Feuerkugeln
Von Exulanten und einem Schlüssel am Nagel
Menschen kommen und gehen, die Häuser bleiben
Vom Strom, Torwartl und anderen mehr
Vom Pfarrbauern bis zum Kerkhofener Dorfspruch
Vom Ellmannsdorfer Dorner zum Hofener Lippn-Paul
Von Judenhäusern und Schlosskaplänen
Von der Sprache und von Sprüchen
Von A wie Afterschlech bis Z wie Zweda
Von Moila und schlechte Messa
Vom Maunzerla und Gackerla
Landl-Sitten und Landl-Bräuche
Vom "Scharf Driwer"
Von der Kricksenmutta und dem Bachala Hans
Vom Rauchen vor der Kirche
Vom Dodenweck und Preiselbeerzweigen
Von der eingesperrten Braut
Von seltene Kranzspenden und vom Loadtüachl

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Wie es zu diesem Text kam

Es ist schon etwas Besonderes: das "Landl"! Dieses Gebiet um den weit sichtbaren Höhenrücken mit seinen drei markanten Kuppen, dem Galgen-, und Schlüpfelberg. Und vor allem dem Schloßberg mit seinen beiden Kirchen. Hier in diesem relativ kleinen Bereich herrschten die Reichsgrafen von Wolfstein.
Nachdem zuerst fast die ganze Oberpfalz sich der Reformation erschlossen hatte, wurde später das umliegende oberpfälzer Gebiet rekatholisiert. Nur das Wolfsteinische Gebiet blieb lutherisch, eine evangelische Insel mitten im katholischen Bayern. Diese besondere Lage brachte es mit sich, dass hier manches anders lief in Sprache, Sitte und Leben als rings herum.
Neulich war ich dabei bei einem Gespräch einiger "Landler", wohlgemerkt solcher, die im "Landl" aufgewachsen waren, wie ihre Väter und Vorväter. Die Rede ging über dies und das. Jemand sagte: "Oslstanga? Des Wort kenn i net!"
Da wurde mir zweierlei deutlich: Einerseits, dass die Umwälzung der großen auch vor unserer kleinen Welt nicht halt macht. Zum anderen erkannte ich, dass in Bälde viele Dinge, die hier heute noch selbstverständlich und altbekannt sind, vergessen und damit verloren sein werden.
Das gab den Anstoß zu diesem Text. Es will ein Anfang sein, ein wenig "auf den Geschmack kommen". Es will beileibe nicht umfassend und alles erschöpfend behandeln. Es will Nachfolger finden. Keines der darin enthaltenen Kapitel soll als abgeschlossen gelten, sondern nur Anfang sein, will das Weiterdenken, Weitersuchen, Festhalten fördern.
Ich danke allen, die bei diesem Text mitgeholfen haben, vorne weg Frau Käthe Jarolim, und den vielen, insbesondere aus dem Frauenkreis und dem Altenkreis unserer Gemeinde, die so eifrig mitgedacht, mitgelacht und mitgesammelt haben.
Im Übrigen: Wissen sie, was das ist, "eine Oslstanga"? Nein?
Dann suchen Sie in diesem Text: Sie finden die Antwort!
Rudolf Kießlfng, Pfarrer.

Landlgeschichte - Landlgeschichten

Das "Landl", die ehemalige Reichsgrafchaft der Wolfsteiner auf und um den markanten Höhenrücken zwischen Sulz und neuen Europakanal, hat historisch vieles mit der umgebenden Oberpfalz gemeinsam, daneben aber beachtliche Eigenarten, die sich aus der Geschichte erklären. Ein klein wenig will ich hier diesen Besonderheiten nachspüren, Geschriebenes und Erzähltes wiedergeben. Ich möchte dabei nicht wiederholen, was man anderswo ausführlich lesen kann, z.B. in dem Büchlein von Dr.Th.Stark "Das Landl" (1949), oder dem Buch ,,Das Evangelische Dekanat Neumarkt/Oberpfalz" (1989) oder auch den interessanten Broschüren, die Kurt Wappler und Friedhelm Kurz für die Arbeitsgemeinschaft Heimatmuseum Sulzbürg herausgaben.
Ich will hier nur ein wenig Angelesenes aus den Pfarrbeschreibungen für Sulzbürg und Kerkhofen/Hofen, und was mir sonst erzählt wurde wiedergeben, ohne irgend einen Anspruch auf Vollständigkeit.
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Vom Pandurenloch bis zum Nachtwächter von Sulzbürg

Wo soll man anfangen? Schon in grauer Vorzeit hat es begonnen: Bei Drainagearbeiten im Jahr 1924 auf dem Friedhof in Kerkhofen fand man eine prähistorische Feuerstelle und damit einen Beleg sehr früher Siedlung in diesem Bereich. Man kann sich für jene Zeit auch gut vorstellen, dass das Pandurenloch am Schloßberg, damals als Wohnhöhle diente.
Im Mittelalter ist vom kirchlichen Leben neben der Stiftung von Kaplaneien zu Obersulzbürg, Untersulzbürg und Rocksdorf ein Ablaß und eine Bruderschaft erwähnenswert: Diese wurde initiiert vorn Pfarrer Johann Humel, ,,Berkhoven" (Kerkhofen), sowie Kaplan Caspar, Rocksdorf u.a., und schrieb vor, dass alle Brüder und Schwestern der Bruderschaft verpflichtet waren, am nechsten Sonntag nach Sannd Wilbeltstag in der Pfarrkirchen zu Sannd Michels des heiligen Ertzengels zu der Obersoltzburg allen lebenden und toten Brüdern und swestern seien zu nütz und hail und trost einen Jahrstag zu halten, bestellen mit einer gesungenen vigil und zwaien gesungen Selambten und vier gelesen Selmessen...",

bildKirchenbuch Sulzbürg: Taufeintrag des letzten Wolfsteiner Erbprinzen.

 

Den Ablass hat Johann von Wolfstein 1519 für die Michaelskirche erlangt, "daß welcher arme Sünder denn seines Verbrechens halber eine langwierige Buß auferlegt worden, am Wayhnachtsfeste, Fest der Himmelfahrt Christi, am Tag Mariä Verkündigung, am Tage aller Heiligen und am Feste S. Michaelis in dieser Kirche andächtig erscheine und vom Morgen bis auf den Abend allen... Gottesdiensten beywohnen wir, denselben sollten je und allezeit so oft er solches thun würde, an den auferlegten Sünden hundert Tage nachgelassen werden."
In diese Zeit weist auch die Sage vom "Nachtwächter zu Sulzbürg", die Alexander Schöppner in seinen ,,Bayerische Sagen" (II/573) anführt. Sie erzählt vom Abt des Klosters zu Heilbronn (vermutlich Heilsbronn), der unterwegs war zur Visitation des Frauenklosters Seligenporten und der sich auf dieser Reise in den damals sehr dichten Wäldern der Gegend bei Nacht verirrt hatte. Da rettete ihn in Angst und Not der Stundenruf des Sulzbürger Nachtwächters. Dankbar wollte der Abt seine Rettung aus Nacht und Grauen durch eine wohltätige Stiftung verewigen. Die bestand darin, dass dem jeweiligen Tor- und Nachtwächter in Sulzbürg alljährlich zwei Paar Filzschuhe und vier Metzen Erbsen zu liefern waren. Auch von einer Glocke muss hier erzählt werden, die als größere im Hofener Kirchturm hing und als eine ,,getaufte" Glocke galt. Mit ihr wurde viel Aberglauben getrieben. So galt z.B. von ihr abgefeilter Metallstaub wunderwirksam bei verschiedenen Krankheiten. Auf ihr war als Inschrift auszumachen: "...Dominus Tecum + ...Maria ora..." Sie blieb bis zum Jahr 1866. Dann wurde sie in Ingolstadt umgegossen.
Auch über Pfarrer jener Zeit finden sich interessante Notizen: 1480 war zum Beispiel ein Pfarrer Johann Hummel in Kerkhofen. über den sich die Bauern beschwerten, dass er "zuviel auf die Kirchweihen gehen und darüber den Gottesdienst ausfallen lasse".
Ein wenig später war Kaspar Langguth Pfarrer. Von ihm ist eingetragen: "als er für den Pfarrer von Bachhausen daselbst ein Kind taufte, die Hebamme im Heimtragen das Knäblein vor dem Bach zur Erde fallen ließ, infolgedessen es starb."
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Von einer Geschichtskorrektur und schrecklichen Feuerkugeln

Zur wichtigen geschichtlichen Weichenstellung für das Landl wurde die Durchführung der Reformation. Die fand relativ spät statt. Zu spät, meinte die Geschichtsschau in den folgenden Zeiten und wollte korrigieren in der Weise, dass man die Reformation in der Grafschaft Sulzbürg möglichst früh ansetzte. So predigt Superintendent Magister Jacobus Schwenter 1658 bei der Beerdigung des Georg Albrecht von Wolfstein " ... zum höchstrühmlichen Ehrengedächtnis des Adam von Wolfstein (gestorben 1547)... waß sonderbare wohlthat unter wehrender Regierung desselben diesem Land und Herrschaft von Gott widerfahren, in dem der Seelige Herr, nachdem Er durch das Licht der Göttlichen und reinen evangelischen Wahrheit selbsten erleuchtet worden, auch möglichstes fleisses ihme angelegen sein lasse, daß die rein evangelische Lehr an alle Orten seines Landes und Herrschaft außgebreitet und eingeführt werden möchte, welches dann auch geschehen durch Gottes gnad mit vieler Tausend Seelen bekehrung, insonderheit der letzten Papistischen Lehrer selbsten, welche der erste evangelische Prediger in dieser Herrschaft worden, als nahmentlich M.M.Engelbrunner, Herr Adam Übelin, Herr Pater Pezl, Herr Johann Zinß, Herr Konrad Zinß, ist auch solches helle Licht biß auf diese Stunde also erhalten worden...haben wenige Jahr vorher, ehe solches fürgangen ihr Wohlseel.G.H. dem im Jahre Christi 1530 vom Hochlöbl. Kayser Carola V angestellten Reichstag zu Augspurg... . persönlich beygewohnet als Fürstl. Rath des Protestierenden Fürsten llertzog Georgii Margraffens zu Brandenburg".
Las Landl ward also evangelisch wie die umgebende Oberpfalz. Zugleich waren die Reichsgrafen von Wolfstein Lehenspflichtige des Kaisers. Damit saßen sie im Dreißigjährigen Krieg zwischen allen Stühlen. Von den Schweden wurden sie als "Kaiserliche" wiederholt angegriffen, von den katholischen Heerscharen als "Lutherische". So brachte der Krieg großes Elend über die Wolfstein'sche Herrschaft, das Landl. Ein grausiger Fund bei den Friedhofsarbeiten 1924 in Kerkhofen legte dafür Zeugnis ab: man stieß auf ein Massengrab, in dem drei bis vier Lagen Leichen übereinander geschichtet lagen: Opfer der Pest und des Dreißgjährigen Krieges.
Weil die Wolfsteiner Lehenspflichtige des Kaisers waren, wurde das Schloss Sulzbürg angegriffen und belagert von den Schweden, die auf der Wülzburg über Weissenburg kampierten. 1631 war die Burg schon einmal verwüstet worden. "1636 ist das Schloss wiederum von denen auf der Wültzburg liegenden Völkern urplötzlich und ausgestürmet worden... Schloßherrn wurde der Diener von seiner Seite geschossen und ihm selbst schon die Pistole an das Herz gesetzt. Mit seiner Frau und andern frommen bei sich habenden seinen Leuthen musste er sich auf seiner eigene Kutsche gefangen hinweg und nach der Wültzburg führen lassen. Nur gegen Erlegung einer großen Geldsumme wurde er wieder frei..."
Von der Belagerung im Jahr 1604 kann man lesen: "...Vor dem unablässigen Schießen und Hineinwerfen der Feuerkugeln und Granaten mußte er sich mit den Seinigen in die Keller flüchten und aller Augenblicke mußte man erwarten, daß das Obergebäu von einer Feuerkugel getroffen über einen Haufen gerissen würde. Doch ging die heftige Beschießung ohne sonderlichen Schaden vorüber, so daß nachher der feindliche Constabl selber seine Verwunderung darüber aussprach..."
Als 1647 der Graf um die Brandschatzung von den Dörfern abzuwenden, Schweden in das Schloss einließ und eine Geldkontribution zahlte, hielt das der Kurfürst von Bayern für Untreue und "befahl deswegen das Schloß Sulzbürg zu attaquieren". Baierische Truppen besetzten den Markt um das Schloss zu beschießen. Es kam ein Vergleich zustande: Die Schweden mussten abziehen, alle Vorräte im Schloss wurden beschlagnahmt, das Schloss wurde von Bayern besetzt.

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Von Exulanten und einem Schlüssel am Nagel

Nach dem schrecklichen Krieg dauerte es eine Weile, bis das Landl wieder einigermaßen besiedelt war. Eine wichtige Rolle spielten dabei Exulanten aus "dem Landl ob der Enns", jenem Gebiet nördlich des Zusammenflusses von Enns und Steyer, das heute zu Oberösterreich und Niederösterreich gehört, jenem Gebiet nördlich des Zusammenflusses von Enns und Steyer und westlich der Enns - fast bis Admont im Süden (was östlich der Enns liegt, hieß "unter der Enns"). Diese Menschen, die um ihres evangelischen Glaubens willen ihre österreichische Heimat verlassen mussten, brachten neben neuen Familien- bzw. Hausnamen vermutlich auch die Bezeichnung des Wolfstein'schen Gebietes mit, weil sie es angeblich nach ihrer verlorenen Heimat "Landl" nannten.
Historisch Belegbares wie sagenhafte, mündliche Überlieferung rankten sich auch um die nächste geschichtlich entscheidende Wende. 1740 verstarb der letzte Wolfsteiner männlicher Linie. Der Erbprinz hatte schon Jahre zuvor, 1728, gerade zwölf Jahre alt den Tod gefunden. Hartnäckig halten sich um dieses Sterben im Kindesalter Gerüchte. "Der Erbprinz sei im Auftrag Bayerns vergiftet worden" Das ist wohl Fantasie; doch ein Körnchen Wahrheit steckt darin. Unzweifelhaft kam dem Kurfürsten von Bayern das Ende dieser reichsgräflichen Herrschaft mehr als gelegen; konnten sie doch nun das Landl sich ein verleiben, diesen evangelischen Fremdkörper mitten in der wieder katholisierten Oberpfalz.
Auch hier sollte die Rekatholisierung durchgeführt werden. Es gab in diesem Zusammenhang viel Aufhebens um einen Kantorssohn, der katholisch geworden war und ähnliche Vorgänge.
Es gab aber auch viel Bekennermut und Bereitschaft für den evangelischen Glauben etwas zu riskieren; vielleicht schlug da ein Erbe der Exulanten durch. So wird eine Torwartswitwe Wurzinger erwähnt, die den Dienst ihres verstorbenen Mannes nur dann erhalten sollte, wenn sie katholisch würde: aber sie verzichtete auf diesen Dienst mit seinem sicheren Einkommen und fand im Tal eine Bleibe. In diesem Zusammenhang ist "Torwartl", ein alter Hausname in Kruppach erwähnenswert.
Für die Rekatholisierung sollte vor allem die Schlosskirche zeichenhaft werden. 1755 verstarb die Gräfinwitwe, der bis zu ihrem Abscheiden evangelischen Gottesdienste in der Kirche mit ihrer Familiengruft gestattet worden waren. Am 3.Juli wurde darauf der Beschluss des Kurfürsten bekannt gegeben, dass die Schlosskirche für den evangelischen Gottes dienst gesperrt würde.
Die Evangelischen aus dem Landl protestierten dagegen beim Kurfürsten und in Regensburg. Und hier setzt eine Überlieferung ein, für die wir noch keinen historischen Beleg gefunden haben, die aber doch nicht ganz frei erfunden sein muss: Als Friedrich der Große, dessen Vater, Friedrich Wilhelm - der Soldatenkönig - erster Taufpate des zu früh verstorbenen Erbprinzen auf Sulzbürg, von dieser Kirchenschließung erfahren habe, soll er gedroht haben, drei katholische Kirchen in seinem Lande so lange zu versperren, bis die Schlosskirche wieder dem evangelischen Ritus freigegeben würde.
Sei es wie dem sei, der Kurfürst überließ doch schließlich die Schlosskirche den Protestanten in Sulzbürg. Sechsunddreißig Wochen soll bis dahin bei jedem Wetter evangelischer Gottes dienst vor der Kirche stattgefunden haben. Ab Mitte Februar 1756 war die Schlosskirche wieder für den evangelischen Gottesdienst zugänglich.
Auch hierum rankt sich eine historisch nicht belegbare Überlieferung, die jedoch vom Wesen her zumindest stimmen könnte: So soll der katholische Beamte, Graf von Preysing, der für den Kurfürsten im ehemaligen Schloss der Wolfsteiner residierte, als die Schlüssel zur Kirche von ihm abgeholt wurden, sie zum Fenster hinaus in den Schlossgraben geworfen haben.
Sicher ist auf jeden Fall überliefert, dass der Mesner noch bis vor hundert Jahren zu jedem Gottesdienst die Schlüssel im Schloss abholen und sie unmittelbar nachher dort an einen bestimmten Nagel wieder zurückhängen musste.

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Menschen kommen und gehen, die Häuser bleiben

Etwas Besonderes sind im "Landl" die Hausnamen. Mir ist das ganz klar geworden, als ich beim Unterricht merkte, dass die Kinder von den Dörfern im Tal sich nicht beim Vornamen oder gar Familiennamen anreden, sondern beim Hausnamen. So ruft man nicht: "Christian!" sondern: "He, Gänsmo!" Die Sitte mit dem Hausnamen hat ihren Sinn: Einerseits ist es so, dass die Familiennamen der Hausbesitzer wechseln, das Haus aber bleibt weiterhin dasselbe. Zum anderen gibt es ja sehr viele Familien, die sich in wenige Namen teilen:
Haubner, Bachhofer, Pfindel, Heiselbetz, Dollinger usw. Da ist der Hausname wichtig, will man Verwechslungen vermeiden.
Viele Hausnamen gehen auf Vornamen zurück: Lippn (Philipp), Brosl (Ambrosius), usw. Manche entstanden aus Vornamenverdoppelung: Der Vater mag Johann geheißen haben, der Sohn Leonhard - daraus wurde der "Hanslidl", ähnlich mag es bei "Lippnpaul" und anderen gewesen sein.
Ein wichtiger Ursprung der Hausnamen sind dörfliche Berufe:
Wirt, Schneider. Weber. Biener (Büttner), Melwer (Mehlhänd1r) usw. Andere Hausnamen entstanden einfach auch aus der Lage des Hauses: De Ewern und Untern, (oben und unten), de Vedern und Hintern (vorne und hinten), auf der Platte stand das Haus des Plättel (Blädel) - oder kommt dieser Hausname von Flöter = armer Mensch? Wie bei vielen Ausdrücken der Umgangssprache im Landl wird man manche Hausnamen letztlich nicht erklären können.
Es bleiben Rätsel: Woher kommt der "Gockelbauer"? Mit dem Gockelhahn hat das nichts zu tun, der heißt ja im Landl "Geger". War das einmal ein Haus in dem "Gaukeln", einfache, schlechte Kerzen gemacht wurden? Oder stammt das Wort aus der Zeit wo man das "J" noch wie "G" sprach: Die "Gungen" - Jungen, das "Goua" - Jahr, und der Gockelbauer ursprünglich mit Vornamen Jockel hieß, und der Öllergockel auf einen Jockel, Sohn des Ulrich zurückgeht?
Interessant ist auch, dass in den Hausnamen inzwischen ausgestorbene Familiennamen sich erhalten haben, darunter auch die von österreichischen Exulanten, "Landlerkinder", die um ihres evangelischen Glaubens willen aus dem "Landl ob der Enns" vertrieben worden waren und hier eine neue Heimat gefunden hatten: Dorner, Triebl, Heider usw.
Hausnamen, die sind nicht erstarrte Geschichte, immer noch ist hier Bewegung; da gibt es Häuser, die den Hausnamen wechseln: Aus dem Torwartl ist inzwischen der Wurzinger geworden.
Zwar gibt es viele neu gebauten Häuser, die (noch) keinen eigenen Hausnamen tragen; aber hin und wieder kann man beobachten, dass etwas im Entstehen ist, wie etwa: Der Ewer- und der Unterkarl und ähnliche Wortbildungen.
Im Folgenden werden noch gebräuchliche oder erinnerliche Hausnamen aufgezählt, wobei nicht zuletzt über die Schreibweise mancher Namen gestritten werden kann.

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Vom Strom, Torwartl und andern mehr

In Rocksdorf kennt man folgende Hausnamen:
Strom (Nr.1), Melwer (Nr.2), Biener (Nr.3 - Büttner), Blankn (Nr.4), Schmie (Nr.7), Panzer (Nr.8), Keifel (Nr.9), Schneider (Nr.10), Weber (Nr.11), Wiin (Nr.12), Steffl ( Nr.13), Faba (Nr.14 - Färber), Beckn (Nr.15), Wirt (Nr.16), Hofer (Nr.20), Pfeiffer (Nr.23), Schöll (Nr.25), Hansadl ( Nr.53).

In Kruppach findet man sich so zurecht:
Hauerstoa (Nr.1), Blankn (Nr.2), Gänsmo (Nr.3), Keifei ( Nr.4), Blädel (Nr.5), Kanzler (Nr.6), Schuster (Nr.8), Maurer (Nr.9), Sixerhansl (Nr.10), Bartlbauer (Nr.11), de Vedern (Nr.12), Öllergockl (Nr.15), Metzger (Nr.16), Drachsla (Nr.17), Wirtsmo (Nr.18), Hofmockl (Nr.19), Heider (Nr.20), Wurzinger- ehemals Torwartl (Nr.21), Triebl ( Nr.22 - Exulantenname), Flicker (Nr.23), Banzer (Nr.24), Wirt (Nr.25), Weber (Nr.26), Schneider (Nr.27), Biener (Nr.29), de Hintern (Nr.30), Weiherbauer (Nr.31), Johannkarl (Nr.32).

Schließlich die Hausnamen von Wettenhofen:
Mörtlbauer (Nr.1), Wastlbauer (Nr.2), Zimmerbauer(Nr.3), Hanslidl (Nr.4), Waldl (Nr.5), Worfler (Nr.6), Wimbauer (Nr.7), Odam (Nr.8), es Leithaus (Nr.9), Matterson (Nr.10), Wagner (Nr.11), Zacher (Nr.12), Wirt (Nr.13), Weber ( Nr.14), Kounzn (Nr.15), Schuster (Nr.16), Köppl (Nr.17), Kricksn(Nr. 18), Kanerad (Nr.22), Christl (Nr.24), und der Eifer (Nr.28).

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Vom Pfarrbauern bis zum Kerkhofener Dorfspruch

Pfarrbauer (Nr.1 - geht auf das ehemalige Pfarrhaus für Kerkhofen-Hofen zurück), Wirt (Nr.2), Schuster (Nr.3),De Vedern (Nr.4), Flicker (Nr.6), Tammer (Nr.6 -; Thomas),Großmoa (Nr.7), Orwa (Nr.8), Bachala (Nr.9), Lippn ( Nr.10), Maurer (Nr.11), Lenzerbauer (Nr.12), Rundn (Nr.13 Rundn- Willi und / Nr.14 Rundn-Schorsch), Kohler (Nr.15), Betzn (Nr.16). De Untern (Nr.18), Gerchadam (Nr.19 - Georg-Adam),De Hintern (Nr.22), Schneider (Nr.23), De Ewern (Nr.24).

Mit den Hausnamen ist eng eine Eigenart in manchen Dörfern des Landls erhalten: Man gab und gibt von Alt an Jung einen Dorfspruch weiter. Diese Dorfsprüche weisen in Einzelheiten oft weit zurück auf Geschichten und Ereignisse die mit den einzelnen Häusern verbunden waren. Einen solchen Dorfspruch kennt man noch heute in Kerkhofen:

Beim Schuster, da geits a,
der Wirt is a gschnupferta Mo
der Pfarrbauer hat a lange Stanga
kann's da Großmo kam dalanga.
Der Schneider heut a narrat's Wei,
da sagt der Orwa: "Gei her, i dahau das gschei!"
Da Bacherla is a Morgenstern,
der Lipp frißt die Broutwirscht gern.
D'Maura ham a houchi Stapfe,
d'Lenzerbauern hat a großi Waffe.
D'Rundn ham vei Taum
mou da Hierta dreckla vom Oasch wegglam.
Kohleri hout sei Haum verlorn,
waar da Betz bal narrat woan.
D'Ewern ham a groußi Mistn
hom de Untern scho oft draf gschissn.
Da Gerchadam haut an grouße Schnurrn,
der Dammer haut an Hout wei da Kärchaturm.
D'Flicka is da Stricka.
D'Hinta (Veda) haut a z'rissne Kärm,
da sagt da Veda (Hinta): "Gei her, i flick das gern!"



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Vom Ellmannsdorfer Dorner zum Hofener Lippn-Paul

Hausnamen in Ellmannsdorf:
Dorner (Nr.5) und Winter (Nr.6) - Exulantennamen, Brosl (Nr.7), Schneider (Nr.8).

Dorfsprüche gab es auch in Ellmannsdorf:

Der Belzl ist der morgenstern
der Himpf der trinkt den Branntwein gern
Der Dorner hat a krummhernerte Kouh
der Winer macht d'Stolltür auf und zou.
Der Brosl is a gscheiter Moo
dem Schneider laft sei Wei' davo
Der Rackl, der is zuckersüß
der Sandmüller springt wie ein Hirsch!

Hausnamen in Hofen:
Berchtold (Nr.1), Schuster (Nr.2), Fischer (Nr.3), Hoarl (Nr.4), Outzn (Nr.5), Melber (Nr.6), Winter-Schneider ( Nr.7), Beder (Nr.9), Wirt (Nr.11), Roammo (Nr.12), Gocklbauer (Nr.13), Schwenk (Nr. 14), Haumer (Nr.15), Weber (Nr.16),Fuchsn (Nr.17), Drachsler (Nr.18), Betzen ( Nr.20), Oarwa
(Nr.21), Lippn (Nr.22), Ziener (Nr.23), Mesner (Nr.24),Fischer-Michel (Nr.29), Lippen-Paul (Nr.30).

Beim Berchtold geiht's o
der Schouster is a langer Mo
Der Fischer houd a houche Mist'n
dou houd der Hoandl schou oft draf gschissn
Der Outz, der houd a alte Kerbm
dou sagt der Melber "gei her, i flick der's gern"
Der Winterschneider frißt auf der Mistn Erbinkreider
Der Beiderfriedl houd an langa Kittl
Der Wirt, der houd a houche Stapfel
sagt die alt Roumowaffel
Der Gouglbauer hat a grouße Hauer,
laud se de Schwenke gor net schauer
Die Haumer hom viel Taubm
dou mou d'Wewere Dreckla (vom Arsch) wegglaum
D'Fuchsn hom vü Moila zum Großn
sagt die alt Drachslersnosn
Der Betz, der houd a kranke Kouh
der Lippenbaaler (Res) macht d'Stalltieraaf und zou
Der Orber hout viel Henner
die tout der Fischermichel net alle kenna
Die Ziener hom an groußn Hund
Sagt der Lipp: "der wiegt gwieß 10 Pfund"
Der Messnersix schießt Stoa und Stöck
dem Hüter is der Hund verreckt.

 


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Von Judenhäusern und Schlosskaplänen

Eine eigene Betrachtung verdient die Geschichte der Häuser in Sulzbürg: So gibt es viele Häuser, die als "Judenhäuser" an diese starke Religionsgruppe erinnern, die bis nach dem ersten Weltkrieg ein knappes Drittel der Bevölkerung ausmachte. Diese Menschengruppe brachte viel ein für das Leben und Gedeihen des Ortes. Stoff -und Tuchläden. Viehhandel, Kleinindustrie und anderes. Ein lesenswertes Heftchen aus der Schriftenreihe des Landlmuseums befasst sich ausführlich mit diesem wichtigen Faktor der Geschichte in Sulzbürg vom Mittelalter bis zum Dritten Reich.
Hier soll aber in der Hauptsache von den anderen Häusern gesprochen werden. In Klammern ist jeweils die alte Hausnummer aus der Zeit angegeben, als Sulzbürg noch nicht nach Straßen geordnet, sondern die Häuser einfach durchnummeriert waren.

Und nun die Aufstellung, geordnet nach den jetzigen Straßen:

Badberg:
Nr.1 (45) Stadlschneider,/ Nr.7 (46) Hüthaus, früher Hafnaschreina / Nr.11 (47)Hütgergl, früher Schlosser,/ Nr.13 (48) Schiller.

Badgasse:
Nr.1 (33) Unter-Schmie, / Nr.2 (41) Soler, / Nr.3 (34) beim Wastl. / Nr.4 (40)Biener, / Nr.7 (35) Schlosser, früher Landarzt vormals Säckler, / Nr.9 (36 1/2) Anges, / Nr.11 (36¼) Eisele früher Ullerschuster / Nr.15 (37) Torhaus.

Engelgasse:
In alten Schriften heißt es dass der Schlosskaplan von Obersulzbürg in einem "Haus am perg zu der Soltzburg" wohnte. Ist das die Stelle des jetzigen Pfarrhauses?
Doch wieder die Häuser der Straßennummer nach:
Nr.1 (9) Lucker, früher Luckerlöhndl / Nr.3 (170) beim Buckhansl, / Nr.5 (11) Wagner früher Geigerlöhndl, / Nr.(12) Schick, früher Melwerkasper - Dieses Haus stand bei der Einmündung des Pointweges, war im Besitz eines Fotografen und beherbergte ein Delikatessengeschäft, / Nr.7 (13) Fuchsndieter, früher beim Mesner, / Nr.9 (14) Nagelschmie, / Nr.10 (126) Mößelsimmer, / Nr.11 (16) Post, ehemaliges Forstamt - Jägahaus genannt, einst gräfliches Stockhaus, Gefängnis, / Nr.12 (65 ½) Kommissär, / Nr.13 (107) Dowiasn, / Nr.14 (63) Synagoge, / Nr.15 (65) Schmiemichl früher Weber-Hemmeter, daneben stand (56 b) das Haus der Kafeeebärbel, / Nr.19 (64) Puchta, ehemals Sattlerei, / Nr.25 (68) Ulrichfranz, ehemals Polizeistation und Gemeindeverwaltung, früher Engelhaus (Engelgasse!), / Nr.27 (69) Kahnhaus, ehemals ein Bekleidungs- und Stoffgeschäft.

Hinterer Berg:
Nr. (73) abgerissenes Judenhaus mit Ritualbad, / Nr.2 (88) Leistner, Bäckerei. / Nr.3 (72) Judenhaus, daneben Pfannschreiner, / Nr.5 (74) Judenhaus, abgerissen, ehemals Bader, / Nr.6 (123) Dollingerpaula, / Nr.8 (87) ehemaliges Schulhaus mit Wohnung der ersten Schulmeister und Kantoren, vorher Haus des Kaplans vom unteren Schloss. Die Kaplanei wurde vermutlich nach der Reformation in die Schulstelle umgewandelt. Zur Kaplanei gehörte Stiftungsbesitz, z.B. der Kantersgarten und das Koppelholz, / Nr.9 (76) Höllzacher, früher Höllgütl, / Nr.10 (86) Bachhoferschneider, mit Eintrag: gebaut 31.Dez.1831. / Nr.12 (85) Fuchspeter, / Nr.15 (77) Pfannschneider, / Nr.16 (83) Frauenschlaga, früher Hiaslschneider, / Nr.18 (82) Nunner, ehemals Uhrmacherei, / Nr.19 (78) da Nicklas, einst Abdeckerei, / Nr.21 (109) Henzer, früher Rottmeister, / Nr. 22 (82 b) Bienergergl, früher Büttnerei, / Nr.12 (117) Lippnhans, / Nr.24 (81) Lippnmichl, abgerissenes Torhaus, / Nr.25 (124) Schreina, / Nr.26 (108) Kammelmeier, einst Hafnerei, / Nr.28 (114) Ledererschuster

Lange Gasse:
Nr.1 (89) Schneiderurba ( Schneider Namens Urban).

Marktplatz:
Nr.1 (42) Sauerbeck, jetzt Raiffeisenbank, / Nr.2 (29) Oberschmie, / Nr.4 (28) ehemals Konditorei, Kolonialwaren und Schreibwarenladen, / Nr.5 (43) Alte Schule, jetzt Landlmuseum, / Nr.6 (8) ehemalige Apotheke und Drogerie, / Nr.7 (44) Alte Post, früher Postagentur mit Poststall, / Nr.8
(1) Beim Löhndelwirt, früher Ochsenwirt, / Nr.14 (49) Oberbeck, früher der Vordere Beck.

Pointweg:
Nr.2 (25) Beim Ferl, früher Hofbeck, (Schlossbäckerei ?)

Schloßberg:
Nr.1 (5) Zum Lachner, früher Gasthaus zum Bayerischen Kurfürsten, / Nr.2 (6) Weilhaus, / Nr.4 (24) Scheiterbauer, früher katholisches Schulhaus, / Nr.7 (105) Heilmannhaus, ehemals Altenheim, vorher Schullandheim, / Nr.8 (22) Felsentheo, / Nr.21 (21) Felsensepp; "Felsen" - der Name weist darauf hin, dass die Vorfahren aus der Engelgässer Felsenwohnung stammten.

Schmiedgasse:
Nr.9 (118) Gmelch, ehemals Metzgerei, / Nr.19 (60) Metzger Fuchs, / Nr.21 (62) Schaferei, ehemals Schafstall angebaut.

Schwabengasse:
Nr.1 (95) Hansmichelschneida, /Nr. früher Schuhgeschäft, / Nr.2 (99) Herzog, / Nr.4 (98)Beim Färba, / Nr.8 (97) Vogelschusta, 1 Nr.14 (96) Zinngessatamma, ehemals Zinngießerei, / Nr.16 (96) Hansadam.

Schwarzer Winkel:
Nr.1 (116) Schuster, / Nr.2 (106) Zie.

Vorderer Berg:
Nr.1 (30 b) Masta, / Nr.2 (32) Hofener Pfarrhaus, Postgebäude bzw. Feuerwehrhaus, / Nr.3 (30) Wilpertenschneida. ehemals Milch- und Lebensmittelgeschäft, / Nr.6 (102) ehemaliges jüdisches Erholungsheim, / Nr.7 (31) Brunnaschusta, früher Schuhmacherei, / Nr.6 (101) Kurvenkaffee, ursprünglicher Hausname Schwanzer, / Nr.9 (61 a) Doktershaus, ehemals Praktischer Arzt, / Nr.11 (61) Gasthaus z. Goldenen Hirschen, Schulgrundstück / (100) Heiselbetz-Schreiner. / Nr.16 (91) Stadtschusta, frühere Schuhmacherei.

Waschhaus:
Nr.2 (79/80)ehemaliges gräfliches Waschhaus mit Quelle.

Weingasse:
Nr.1 (2) Weinsimma, / Nr.2(4) früher Apotheke, ehemals Seifensieder, / Nr.4 (3)da Adl, früher Glaserei.

Ziegelanger:
Nr.2 (50) ehemals Krankenhaus und daneben Hirtenhaus.

Ziegelhütte:
Nr.1 (112) Holzjackl, / r.4 (51) bei Ziegler, ehemalige Ziegelei. /Nr. 6 (52) Hölzl.


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Von der Sprache und von Sprüchen

Zwar spricht man im Landl nicht viel anders wie im Oberpfälzer Umland und doch gibt es einige Eigenheiten und Eigenarten. Sie sollen hier aufgeführt werden, weil manches davon gerade im Vergessenwerden ist.
Dabei besteht eine Schwierigkeit: Wie soll man diese Sprache gut ins Schriftbild bringen, die mit ihren "ou" und "ei" so unverwechselbar oberpfälzisch klingt? Um Nachsicht wird im Folgenden gebeten, wenn manches nicht lesbar scheint oder beim Lesen anders klingt, als man es gesprochen erwartet.
Erschwert wird das Ganze dadurch, dass von Ort zu Ort noch Nuancen unterschiedlicher Aussprache dazu kommen, so gibt es zwischen Berg und Tal deutlich andere Klänge: Spricht man in Sulzbürg vom "Teller", im Tal aber vom: "Daler".
Dazu kommen auffällige Eigenarten:
Für "einen Geruch wahrnehmen, riechen,..." verwendet man das Wort "schmecken". Dabei wird zudem für das Wort "stark, kräftig das Wort "laut" eingesetzt, so dass die Aussage: "Dieser Käse riecht sehr stark", im Landl so lautet: "dea Kas schmeckt laut".
Grammatikalisch ist vor allem eines auffällig: Im Landl kennt man nicht die weibliche Form des besitzanzeigenden Fürwortes: "Ihr". Statt dessen verwendet, man die entsprechende männliche (oder sächliche ?) Bezeichnung "sein". So können bemerkenswerte Aussagen entstehen wie diese: "Meina Mutta sein Taschen".

Im Übrigen sind im Landl noch viele, sonst unbekannte Worte und Bezeichnungen üblich und werden rege verwendet. Die Herkunft einiger dieser Ausdrücke kann man durch ihren Anklang an bekannte Worte erklären, etwa bei teiarad - töricht, Eixn - Achsel, Geger - Gockel, Weiding - Weh.
Einige Begriffe erklären sich selbst; man braucht nur die Lippen zu beobachten, wenn vom Zuula, vom Schnuller die Rede ist.
Verschiedene Kulturkreise mögen bei der Sprache im Landl zusammengekommen sein, wenn etwa der fränkische Esch - Flurstück, Feldmark sich mit Bann - Gemeindeflur zum Espan verbindet oder wenn das oberdeutsche Kalter - Behälter (Gehalter) als Schrank wiederkehrt. Einige Ausdrücke mögen ihren Ursprung in anderen Sprachen haben, wenn zum Beispiel ein Tischbein zlexn ist, das heißt wackelig, weil das Holz geschwunden ist, so mag das auf das lateinische Wort für locker lax zurückgehen. Auf das französische couche - "still, leg dich" mag das hier übliche guschti geben - ruhig sein gründen. Viel wäre noch zu klären und zu erforschen. Es würde mich nicht überraschen, wenn die Wurzeln mancher hier üblicher Begriffe dank der Exulanten zurückweisen nach Österreich. Auch könnte das jahrhunderte lange Zusammenleben mit den Juden in Sulzbürg hebräische bzw. jiddische Worte gebräuchlich gemacht haben; so mag das Wort "diwera" für eine originelle Äußerung mit dem hebräischen DABAR für "Wort, reden" zusammenhängen.
Auf jeden Fall kann man sagen, dass es hier noch viele Rätsel und Fragen gibt. Eine kleine, unvollständige Aufstellung solcher im Landl (noch) üblicher und verwendeter Bezeichnungen soll hier folgen, wobei die Worte nicht aufgeführt werden, die in ihrer Bedeutung von dem abweichen, was man üblicherweise darunter versteht - so ist zum Beispiel "schlampert" nicht nur das, was überall mit schlampig ausgedrückt wird; im Landl schwingt bei diesem Wort noch mit: "hässlich, zuwider, unangenehm". So spricht man von einem schlamperten Tag, oder schlamperten Wetter und meint damit einen Tag, der nichts Gutes bringt und ein Wetter, das so oder so zu schaffen macht.
Hier eine - bestimmt nicht vollzählige - Auflistung von im Landl noch gebräuchlichen Worten und Bezeichnungen:
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Von A wie Afterschlech bis Z wie Zweda

 

Afterschlech - Astholz
baalous - raffgierig, zu schnell essen
Beinzla - Hefengebäck, Rohrnudel
bolisch - beleidigt
Boarnslau - Trennwand in der Scheune
Deena - Hausgang, Flur
Deetschn - Pfannenkuchenteig mit Obst
Diwera - orginelle Äußerung
Dotschn - misslungenes Küchel, flacher Krautkopf
Durl - wepsige, aufgedrehte Frau
Erta - Dienstag
Eischpa - Espan - gemeinsame Weide
Eixn - Achsel
Erbirn - Kartoffel
Fleeg - Schürze
Fraala - Mohnblüten
gaach - unüberlegt (handeln)
gaatli - handsam
Geger - Hahn, Gockel
gfreecht - Gockel bedeckt die Henne
goch er - verschreckt
Gschnoitats - Kleingehacktes Fichtenreisig zum Einstreuen
gschufa gem - beachten
Gsoo - Spelzen
gsporba - heikel, genäschig
guschti gebn - ruhig sein
Gutzala - kleines Fenster, Klappfenster an der Türe
haal - glatt
Hafalagutzen - mit alten Töpfen übers Eis rutschen
Haftl - zur Öse gehörender Haken
hanti - temperamentsvoll
Harl - Großvater
Hazl - Elster
Hidrucka - wiederkäuen
Hoachkomm - Kamm des Ackerbeetes
Hofamoh - Gugelhupf aus Hefeteig
Holeins - Echo
Hollerstoffl - unhöflicher, plumper Mann
holous - elend, kümmerlich, kränklich
Honsigl - Schuhlöffel
iberzwerch - unvermutet, plötzlich
Inslat - Rindertalg
Jidrucka - Wiederkäuen
Keipritscha - Kleinbauer
Kalta - Schrank
Kartuscham - Reden von längst Vergangenem, Geschwätz
Keitala - kleiner, halbhoher Schrank
Kerm - Buckelkorb
Kimmerling - Gurke
Kirwisch - Handbesen
Kloanskraut - Rübenkraut
knappn - hinken
Knocka - Schlachtschüssel
Knoog - Wollknäuel
Kollerbutt - Misswuchs, schlecht geratenes Kalb
krabisch - quicklebendig (bei kleinen Kindern usw.)
Kreem - Armkorb
Leikaaf - Anzahlung, Handgeld
lien - weich
Ludl - Babyflasche
lusad - eintönig, still, hinterhältig
machola - Pleite, in Konkurs gehen
Mallepsen - Lippe

mei ledda - immer (meiner Lebtag)
Minzensettla - kleine Pfefferminzbonbons
mir is loi - ich habe Angst
Mosero - Majoran
Oatupf - Raureif
Oferla - Großmutter
Oslstanga - Holzstange über Kachelofen
Owander - Streifen am Ackerrand zum Umkehren
Quieda - im Geviert ausgebreitetes Heu
Randiboo - Bereich ohne Aufpasser, Freiraum
Reidern - Sieb
Rixn - übermütige Kinder
rutschern - schaukeln
Schala - gedeckter Kuchen aus Hefeteig,(Apfelschala, Schwarzbeerschala)
Scharwerken - öffentliche Dienste einbringen
Schaup - Markierung für Hirten, Stecken mit Strohbüschel
schedern - abblättern
Scheibberla - Babyjäckchen
Schermetzel - spitz zulaufende Papiertüte
Schewala - Heuhäuflein
Schlack - durchtriebener Mensch
Schlafl - Pantoffel (mitunter auch Schimpfwort)
schloa'a - zusammengerecht
Schloda - Sauermilch, gestöckelte Milch
Schmorgel - Schaum, Rückstand beim Butterschmalz
Schnappmhoferla - Milchtopf mit Ausguss
Schniedsbund - hinten gebundenes Kopftuch
Schnieling - junger Ochse
schnudern - laut schreien, ein böses Mundwerk haben
Schnudern, die - das Maul
Schoitn - Rindenabfälle beim Holzmachen
Schoomkugln - Mottenkugeln
Schorwerka - scharwerken, öffentliche Dienste einbriingen
Schoupn - alte Jacke
Schwonzgeld - Geld für den Vermittler, dienstboten
Seckl - Männerstrumpf, Socken
Sodlgaul - Sattelgaul
Sodlkua - beim Vorspann: linke Kuh
Sprengstiezen - Gießkanne
Sterzn - Deckel für den Topf
Stiezen - Wasserkrug aus Holz
Strumml - faules, plumpes Mädchen
teiarad - dumm, töricht
Tümpfl - Wasserloch
underschi schaun - schüchtern, scheu blicken
vern - voriges Jahr
Virder - Schürze
Vogatives - Schlaumeier, Tüftler
vorvern - vorvoriges Jahr
Wechwort - Vorwand, Ausrede
wegfrogn - sich entschuldigen
Weiding - Schmerz
Weiling - großer, irdener Topf, Milchtopf
Wil - Weiden zum Buschenbinden
Wohling - Waden
Woi - Weide für die Tiere
zerm - in guter Weise originell (beim Menschen)
Ziwerla - Küken
zkneetscht - zerdrückt
zlexn - geschwunden, gelockert, brüchig
Zuula - Schnuller an Babyflasche
Zweda - Pullover 

 


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Von Moila, schlechte Messa und dem was recht derspriaßt

Auf keinen Fall darf vergessen werden, dass diese kräftige Sprache im Landl auch entsprechend kräftige Sprüche mit sich bringt; einige dieser Redensarten und Sprüchlein sollen nicht fehlen.

Zuerst sind da Lebensweisheiten:

"A schlechts Messa schneidt wia an neis hülzers."
"'s Geld gibst as und in Narnn houst in Haus."
"Da oa bricht's Hafala, der ander s' Schüssala."
"In Gott's Namma: Daß recht derspriaßt und neat verdriaßt"
"D' Maalafreißer ghörn ins Bett oder ins Mistlager, noa lo mas zuamacha."
"Wos hüift mir a no sou scheine Leicht, wenn i in Toatn macha mou."

Natürlich gehören auch Viechereien dazu:
"Der is so dumm wie in Neubauern sei Ganza, der is a ganz Joua mit di Bie gflogn.
"Dou muaß do a Hund rei kumma sei, weils gar a so stinkt."
"A langsame Sau findt selten an worma Dreck."
"De loust, wie wenn d'Sau in Boch soicht."
"Dou steits drin, wie da Goasbock in Draaling."
"De schaut as wia d'Henna unterm Schwonz".
"A Massl Floich ko ma leichta hüatn, wia a Weibsbild."

Und dann noch einige Bosheiten über Mädchen und Nachbarn:
"Wenn 'd Moila pfeifa und 'd Henna krahn, no mou ma ihna in Hols odrahn."
"Weiwerla, Weiwerla, drah di, wenn i di net hätt, wos tat i?"
"De rennt rum wia da Schieß in der Reidern."
"Bei dem schauts as, wie beim Bogoackl 's Forst."

Und dann noch situationsgebundene Sprüche:
Beim Festessen sagt einer: "Warn die Nudla so guat, wenn i nua mehra essn kannt."
Einem, der gescheit tut, legt man in den Mund: "I woaß neat, wors a General oder a Korporal, ralln tuats sas si."
Unterwegs verkündet einer den Mitwanderern: "Mir kumma af a Dorf zua. I schmeck Leit!"
Beim zu Bettgehen ist das ein guter Spruch: "Liaba am Obnd is kalte Bett nei, wia in da Früh aus'm worma raas."
Wenn viel Rauch aus dem Schlot kommt: "Di schiarn a, wia wenn die kloana Leit bacha."
"Der is durch mit di Gäns nach Malach", sagt man, wenn man jemand gesucht hat und eine Ausrede braucht.
"'s Kraut is guat, hat dersell Baua g'sagt", der geizig war und das Fleisch sparen wollt.
Wenn einem etwas ausgekommen ist: "Du schaust nochi wia a Kohlamsl."
Die Großmutter zu den herum tobenden Kindern: "Enk seids wie 's wülde Goich."
Wenn die Glocke von der Schlosskirche um 3/4 11 Uhr zum Mittagmachen läutete: "Da Nudihengst schreit!"
Wenn von der fernsten Zukunft gesprochen wird: "Bis dort hi werns mit meine Boina scho 'd Nuß ro werfa."
Was die Totenglocken sagen:
"Kummts nur rei, du ghörst scho mein,
mit Pickl und Schaufl, da grobn mer die ei."
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Vom Maunzerla und Gackerla

Bemerkenswert sind auch die Kindersprüche und Abzählreime:
"Maunzerla, Maunzerla, Katherla, Katzerlouda!
Ein Vogelruf: "'S glickt ma nix, glickt ma nix"
und die Antwort: "Spor a, spor a!"

"Dou hock i, dou bock i, dou rühr i mein Brei,
wenns Vochala kummt, na fliech i vobei."

"Achte - ins Bett tracht i, neine - ins Bett eine."

"Gackerla, Gackerla roats Or,
wennst brichst no bist a toats Or."

"S' Moil is am Nußbaam gstiegn, ist die halb henkert bliebm,
gehts allweil um an Nußbaam rum und suachts ander Trumm."

"Mogst a Birn, nou loußt der oane stirn
magst an Apfl, nou steigst af d'Stapfl,
magst a Nuß, nou gehst zum Doktor Spiritus,
der schenkt dia a ganze Kerm voll Nuß."

"Heiner, Zigeiner, Zigoripapier,
gimm 'mer drei Pfenning, nou tanz e mit dir."

"A oanzigs Hendl, a oanzlgs Oa,
wia solln mir hausn, han unser zwoa."

"Kathl, hoast am Arsch a Blattl, haast am Bauch an Stern,
dou kannt ma ja glei narrisch wern."

"Mei Haus hoat an Tür, wer neat neigeiht, geiht für."

"Af die Kerwa mou ma gih, gitt's a nix,
so schmeckts doch schih."

"Rocko, Rocka, dirra Mo, henge ihra zehne dro."

"Hoam zua, hoam zua, Schworzbaa hom ma grod gnuoch."

"Ringl, ringl, reia,
der Müller sticht a Saala,
der Müller sticht a route Kua,
kumma Kiinderla all dazua,
hock a sie hintern Hollabusch,
machas alle husch, hussch, husch.


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Landl-Sitten Landl-Bräuche und von verschiedenen Leuten

Nicht zuletzt die Insellage des Landl als eigener Reichsgrafschaft mit anderer Konfession inmitten der Oberpfalz hat es mit sich gebracht, dass eigene Sitten und Gebräuche sich entwickelt haben. So unterschieden sich bis vor kurzem noch die Frauen des Landl von denen rings herum durch die Farbe der Kopfbedeckung: Trug man im katholischen Land rote Kopftücher, so waren die der evangelischen Frauen schwarz.
Vieles ist so im Laufe der Zeiten gewachsen. Einiges davon ist wieder verschwunden. Einiges ist gerade im Vergehen. Einiges hat sich bis zum heutigen Tag gehalten.
Das gilt für die besonderen Zeiten. Das gilt für den Alltag.
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Vom "Scharf Driwer" sein und vom Dorfhaus

Sitte und Brauchtum regelte den Alltag. So war in Kerkhofen noch bis vor kurzem eine bestimmte Art des Grüßens üblich und Sitte:
Traf man sich im Dorf, so rief man sich zu: "Bist fleißig?" Am Feld draußen lautete das anders: "Bist scharf driwer". Waren zwei im Gespräch miteinander vertieft, störte man nicht und ging vorbei mit dem Gruß: "Habts an guaten Rat!" Bis vor kurzem gab es in den Dörfern des Landl noch ein interessantes Brauchtum: Die jungen Leute trafen sich abends im "Dorfhaus". Das war, wechselnd je eine Familie, die ihre Wohnstube für die Jugend öffnete. Da kam man zusammen, sang, strickte, tanzte und spielte - besonders beliebt dabei das Schinkenpatschen.
Da sprach man über Tagesneuigkeiten, was dieser und jene getan haben, über Gott und die Welt.
Vielleicht auch vom "Nochtgeger", der den Kindern zusetzte, die nicht rechtzeitig am Abend heim kamen. Anderswo besorgte das der "Wouzabär", beides Tiere, die zoologisch in die Familie der Datzelwürmer, der Wolpertinger, Kreischeerl gehören, oder wie immer diese sagenhaften Wesen heißen. Vielleicht redete man auch vom Jakob, einer halb zahmen Dohle aus Sulzbürg, die sich mit Lauten, ähnlich Kindergeschrei herumtrieb, Glitzerndes verschleppte, frisch gesetzte Pflänzlein aus der Erde zog, ganz schmerzhaft zuhackte.
Die Kinder aber liebten Jakob und er sie auch. Mir spielte er den Streich, dass er mitten während der Konfirmandenstunde auf dem Fensterbrett landete, ans Fenster klopfte und so alle meine Bemühungen zunichte machte, einen geregelten Unterricht zu halten. Dann plötzlich war er verschwunden. Man rätselte herum: Hat ein böser Bub ihm den Hals umgedreht? Ist er altersschwach irgendwo verendet? Oder stimmt es gar, dass er in einer Zisterne ertrunken ist?


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Von der Kricksenmutta und dem Bachala Hans

Es gab Originale und "Zerm Leut" mehr als genug, über die man sich Geschichten erzählen konnte:
Vom Pandurenstutzl, Nudelzacher, Felsenquack, vom Schwoarz Hans und seinem "sia, sia leiwa..": wie er in der Stadt auf die Frage nach einer Abfahrtszeit geantwortet hat: "Der letzte Zug? Des erlebn wia all zwoa net!" Da lachte man über den Zie Hanne, den sie im Stall angebunden, dafür aber das Kalb in die Stuben gestellt hatten. Man schmunzelte über die Margret, Mesnerin von Mühlhausen und ihren ständigen Spruch: "Der wou net drin is, is draußn".

Da war die schaurige Geschichte vorn Tammer Hans, der sich mit dem Gewehr auf den Weg machte, den Pfarrer wegen einer Beerdigungspredigt zu erschießen.

Ein Thema war bestimmt auch der Öller Fritz, einer der ersten im Landl, der fotografierte, wie er mit der Zipflkappen und Handschuhen im Sommer herumlief, oder wie er eines Tages mit dem Fahrrad wegfuhr und einen Zettel auf den Tisch gelegt hatte: "Bin nach Frankfurt", wo er denn auch hingelangte und zurück kam mit durchgewetzten Hosen.

Und weiter: Der Buck Hanni hat eine Gans ungerupft, mit Federn und allem dran und drin ins Kraut geworfen und gekocht. Beim Essen meinte er dann: "Des kitzelt schei, bis ians Fleisch kimm!"

Wie die "Kricksn Muata" zum ersten Mal nach Nürnberg gekommen ist, da konnte sie sich nicht genug sehen über all dem Neuen. Einen jeden hat sie freundlich gegrüßt. Auch zu den Schaufensterpuppen hat sie "A Guun Moign' gesagt.
Auch der "alt Weba' ist einmal nach Nürnberg gefahren. Im Gedränge hat er freilich seine Frau verloren. Den nächsten Mann, der daher kam, den fragte er gleich: "Haast mei Wei neat gsegn?"

Der "Fuchs Grosvatta" ist mit einem Fuder Heu nach Hause gefahren. Die Enkeltochter Gretl saß oben auf der Ladung. An einer scharfen Kurve ist dann der Wagen umgestürzt. Er hat aber nichts bemerkt bevor die Gretl vorgelaufen ist und geschrien hat: "Großvatta, du haast umgworfa!"

Von den Polizisten in Sulzbürg erzählte man sich die Geschichte: Zusammen mit anderen kartelten die beiden Beamten der Gendarmeriestation bis spät in die Nacht. Dann verabschiedeten sie sich. Die anderen dachten sich nichts Böses uns spielten weiter. Plötzlich kamen die Gendarmen herein, diesmal in voller Montur und Uniform. Unerbittlich kassierten sie nun von ihren vorherigen Kartenbrüdern eine Strafe wegen Überschreiten der Polizeistunde.

Vom Sauschlachten beim "Adl" hat man folgendes erzählt:
"Da Strick is rogrutscht und d'Sau rennt davu, in Grosvatta vo hintn durch d'Fiaß und er is am Buckl vo dera Sau dramghockt, zum Guck is nan nix passiert."

"D'Sitzmann Peteri" hat ihre zwei Kühe zusammengehängt und hat sie an einen Wegrain zum Hüten geführt. Nach einer halben Stunde hat sie wieder heimgetrieben und hat gemeint: "Itz homms a wider eahna Sach!"

Die "Kaffee Bärbel" war Totenfrau und Leichenbitterin in Sulzbürg. Wie irgendwann gleich zwei Leute auf einmal verstorben sind, da war ihr das gerade recht: "Heint is ma so wohl, daß i tanza kannt!"

Der "Bumberger" war Gemeindediener in Sulzbürg. Der war besonders stolz auf seine Uniform. Mit dem Lesen freilich gab es Probleme. Hatte er etwas auszurufen, dann musste es ihm seine Frau vorlesen, bis er die Bekanntmachung auswendig konnte. Und so hat er sie ausgerufen. Dabei ist es ihm schon einmal passiert, dass er beim "Vorlesen" den Zettel mit dem Ausruf verkehrt herum gehalten hat. Zum Polizeikommissär Franz sagte er einmal: "Ins Beamte mien zammhalten!"

In diesen Zusammenhang gehört auch das Gedicht, das um 1947 der Runden Karl von Oberndorf über den Bachala Hans von Kerkhofen zusammengereimt hat:

Der Bachala Hans wär fast dasuffa
Der Hani geit afs Bodn,
des tout iam zwoa nix schoon
doch schwimma in dem großen Tümpe
des ko hait net a jeda Simpe:
Bei mia dout si dou nix fälln.
schwimma ko i wei a Eiserkeiln,
Und er schwimmt im größten Saus
in die Mitt nei: aber dou is aus:
s'Schwimma will jetzt nimma gei:
jetzt glaub i, mouß i untergei!
Und der Hanni, der tout trinka
bis er tout in'd Teifn sinka.
Oh, leiber Hanni, des is gwieß:
jetzt houst ton dein letzten Schieß!
Doch ein wackrer Flüchtlingsmann
packt den Hanni beim Schöpfl an
und zeicht ihn ganz unerschrocken
raus aufs Damm, denn dau is trocken.
dann wird er no am Kopf hi gsteillt:
es Wasser mou raus, denn sonst wars gfällt!
Dann wird er sakrisch griebn
bis sich der Hanni tout wieder rührn
und er probiert scho wieder s'schnaufa
auf des sakrisch viele Saufa.
Und dann fahrn sie ihn huom zum Weib.
"Oh, lieber Hanni, die meis ma howa,
du bist ja unser Toutengraba!"

Und noch ein paar Geschichtlein aus dem Landl:
Der dicke Benedikt wollte seinen Bruder Waltl am Sulzbürg besuchen, hat einen Gaul vor seinen Wagen gespannt und ist losgefahren,.Beim Höllzacher hat aber der Gaul gescheut und ist durchgegangen. Hinweg gings übers holperige Pflaster. Und die Augenzeugen berichteten: "Oa Trum noch an andern hoat er verlorn. Beela, Taschn, d'Wirscht, d'Raala van Wogn, s Wochsscheidl un no a paar Trimmer. Der Gaal und an poo Trimmer han durchs Waschhaus grennt, durchs Holz bis af Kruppa hinta. Erscht in an Brombabusch hoat er nemma weita kinnt. Dou hout'n der Benedikt und mir gfunna."
Eine alte Frau, eine "Goasbaierin" hatte im Staatswald einen Sack mit Laub gefüllt als Streu für ihren Geißen. Doch der Förster kam dazu und sie musste alles wieder ausleeren. Später hat sie das der Nachbarin erzählt mit diesem Schluss:
"Der sterzt a amal d'Nosn", was soviel bedeutet wie: "Der wird auch einmal tot die Nase in die Höhe recken".

Von einem schon mehr als schüchternen Burschen erzählte man, dass er endlich sich eine Frau suchen sollte. Auch seine Mutter redete ihm gut zu. Darauf gab er ihr zur Antwort: "Du houst guat redn; du hoast ja a in Vota gheirat!"

Van einem häuslichen Missgeschick erzählten die Kinder:
"D' Mutta hoat grad asgriehat, d' Schissel mitm Butter is afn Bodn dort gstanden. Af amai han zwoa Moila kumma und hom gsagt: Dou drobm am Wech liegt a so an nasch Viach. Alla hamma naaf glaffa. As woa a toater Dachs. Wia ma wieder hoamkumma san, hom d'Henna in haim Butter gfressn gkot."


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Vom Rauchen vor der Kirche und von dreierlei Hauben


Zurück zu den Sitten und Gebräuchen. Interessant ist es da in den Aufzeichnungen aus früheren Zeiten nachzuforschen.
So lesen wir vom Beginn dieses Jahrhunderts, wie es um den Gottesdienst stand:
So war es beim Heiligen Abendmahl üblich, dass man zuerst auf der einen Seite des Altars kniete und den Leib Christi empfing, dann zog man hinter dem Altar zur anderen Seite um dort den Kelch zu empfangen. Man war auch gewohnt, dass man bei Gottesdiensten mit Feier des Heiligen Abendmahles nach dem Wortteil des Gottesdienstes mit Segen entlassen wurde (außer bei der Konfirmation), Interessant ist, dass aus jenen Zeiten berichtet wird, dass die älteren Gemeindeglieder, im Gegensatz zu den jüngeren, sich nicht besonders an der Abendmahlsliturgie beteiligten. Stilles Gebet beim Betreten und Verlassen der Kirche war üblich. Die Gemeinde beteiligte sich lebhaft am Kirchengesang: etwa 75 Melodien konnten damals gut gesungen werden.
Zum Klingelbeuteltragen waren die jüngst verheirateten Männer verpflichtet, und zwar ein Jahr lang nach dem Termin ihrer Trauung.
An gewöhnlichen Sonntagen wurden zwei, an Festtagen und Abendmahlsgottesdiensten vier Altarkerzen angezündet.
Aber nicht nur von guten Sitten und Brauchtum wird berichtet. So wird im Zusammenhang mit dem Gottesdienstbesuch in der Schlosskirche über die Unpünktlichkeit geklagt: "...die alte, immer noch nicht ganz beseitigte Unsitte. dass mehrere verheiratete Männer vom Tal oft erst um 1/2 10 Uhr nach dem Vorgottesdienst zur Kirche kommen und dass Burschen vom Tal, selbst wenn sie schon um 9 Uhr vor der Schlosskirche angekommen sind, bis nach Beendigung des Vorgottesdienstes plaudern, auch rauchen und erst beim Gesang des Hauptliedes sich in die Kirche begeben."
Bemerkenswert ist auch die Gottesdiensttracht der Männer etwa ums Jahr 1880: Kurze, lederne Hosen, weiße Strümpfe, kurze Stiefel und lange schwarze Röcke. Die Frauen hatten dreierlei Kopfhauben: eine für gewöhnliche, eine für Trauergottesdienste, eine für Fest- und Abendmahlsgottesdienste.

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Vom Dodenweck und Preiselbeerzweigen

Besonderes Brauchtum prägte die groben Ereignisse im Leben:
In den früheren Zeiten mit kinderreichen Familien und einer hohen Kindersterblichkeit wurden die häufigen Taufen in der Regel nicht groß gefeiert. Es gab aber einige Ordnungen:
Erst um die Jahrhundertwende wurden die vorher üblichen Haustaufen durch Taufen in der Kirche abgelöst. Diese fanden am Nachmittag ohne Kirchengesang statt. Bei der Taufe unehelicher Kinder wurde nicht geläutet. Beider Vorbereitung ging es so zu: Eheliche Kinder wurden vom Vater, uneheliche von der Hebamme zur Taufe angemeldet.
Eine Aussegnung der Mütter war unüblich. Dafür kamen die Wöchnerinnen in der nächsten Wochenbetstunde zum ersten Mal wieder in die Kirche. Bei der Taufe waren dabei: Die Eltern, die Hebamme, der Pfarrer und der Mesner, sowie der Pate oder die Patin. Bei verheirateten Paten waren Mann und Frau zugegen.
Das Patenamt beschränkte sich in der Regel neben einem Geldgeschenk, das bei der Taufe in das Taufkissen gelegt wurde auf den alljährlichen "Dodenweck", ein Gebäck das einem Kipf ähnlich war mit einer Schneckenform oben. Diese Gabe wurde am Reformationsfest überreicht.
Auch die Konfirmation hatte ihre festen Regeln:
Ein Konfirmandeneinführungsgottesdienst war nicht üblich. Bei der Konfirmation zogen die Konfirmanden mit dem Pfarrer vom Pfarrhaus zur Schlosskirche. Im Gottesdienst sangen sie das Lied "Von des Himmels Thron..." Auf dem Taufstein brannte für jeden Konfirmanden eine Kerze. Am Abendmahl nahmen bei der Konfirmation nur die Konfirmanden teil.
1880 waren bei den Konfirmanden noch lange Röcke üblich. Um 1900 herum trugen sie bereits Joppen. Die Konfirmanden hatten schwarze Hüte als Kopfbedeckung, die Konfirmandinnen künstliche Kränze. Die Konfirmanden schmückten die Kirche selbst: Die Mädchen banden Girlanden und Kränze aus Preiselbeerzweigen, die Knaben brachten Nadelbäume und stellten sie in und vor der Kirche auf. Die Gräber von verstorbenen Altersgenossen wurden mit Kränzen geschmückt.

Auch bei der Konfirmation war manches eingeschlichen, was den Pfarrern zum Dorn im Auge wurde: Besonders die Feierlichkeiten zu Hause schienen nicht mehr sehr geistlich zu verlaufen. Pfarrer von Lossow begegnete dem so, dass er die Konfirmanden an ihrem Festtag Nachmittags zu einem Spaziergang in die Umgebung von Sulzbürg einlud, weil er bemerkt hatte: "dass die Konfirmanden mit ihren Eltern in den Wirtshäusern Sulzbürgs saßen, Bier tranken, zum Teil auch im Übermaß und zusahen, wie ihre Väter karteten."

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Von der eingesperrten Braut und Kranzeljungfer mit Zitrone

Gerade um die Hochzeit rankte sich ein Kranz van Sitten und Gebräuchen:
Der Haupthochzeitstag war der Dienstag. Das geht wohl auf das Brauchtum der Juden zurück, denn bei ihnen fanden die Hochzeiten am dritten Tag der Woche statt (Johannes 2.1). Der Grund dafür war, dass es in der Schöpfungsgeschichte (1. Mose 1) nur vom Dienstag zweimal heißt: "Und Gott sah, dass es gut war". Das hielt man für ein doppelt gutes Omen, je eines für Braut und Bräutigam. Der Dienstag heißt im Landl Erta. Das mit ihm verbundene Hochzeitsbrauchtum führte zur volkstümlichen Deutung des Namens "Erta" aus "Ehetag". In Wirklichkeit freilich leitet sich diese Bezeichnung aus "Marstag" ab.
Es gab im Landl eine feste Ordnung: Die Trauungen "Unbescholtener" wurden am Dienstag um 13 Uhr, die übrigen am Sonntagnachmittag nach der Betstunde gehalten. Im Laufe der Zeiten hatte sich das aber generell so gewandelt, dass am Dienstag Hochzeitstag der Begüterten war: die Ärmeren heirateten am Sonntag.
Die Hochzeitspredigt erfolgt von der Kanzel. Altarreden wurden selten verlangt. Altarschmuck fehlte bei Trauungen, höchstens waren die gestifteten Kerzen mit rosafarbenen Bändern geschmückt. Braut und Bräutigam trugen ein Rosmarinzweigchen an der Brust, "unbescholtene" Bräute einen Kranz auf dem Kopf. Ein Ringwechsel war nicht üblich.
Am Tag vor der Hochzeit fuhr der hoch aufgetürmte Kammerwagen vor: an die Nachbarschaft wurde Brot verteilt. Wenn der Hochzeitszug das Haus verlassen hatte, wurde es von Freunden verschlossen.
Zur Kirche gingen Braut und Bräutigam getrennt: Voran zog der Bräutigam mit zwei "Beiständen", dahinter die Braut mit zwei "Kranzljungfrauen". Der Mesner hatte drei Sträuße an der ersten Bank angebracht, die ins Hochzeitshaus genommen wurden. Nach der Einsegnung legte eine "Kranzljungfer" eine Zitrone (oder dafür ein Geldstück), einen Rosmarinstängel und ein seidenes Tüchlein für den Pfarrer auf den Altar.
Beim Verlassen der Kirche wurde die Braut von den Schülern der letzten Klasse "eingesperrt" und musste sich freikaufen.
Wie beim Zug zur Kirche ging es zum Hochzeitshaus, nur wurde diesmal der Bräutigam vom Pfarrer und Mesner begleitet. Vor dem Haus wurde den Brautleuten ein Trunk dargeboten: dabei suchte die Braut möglichst schnell, als erste ins Haus zu kommen. Während des Hochzeitsmahles saßen Braut und Bräutigam getrennt in zwei Ecken des Raumes.
Bei Einbruch der Dunkelheit begann das "Über den Tisch Schenken": wobei Verwandte, Nachbarn und Freunde ihre Geschenke überreichten. Dabei wurde noch oft das Fenster geöffnet, dass die Zuschauer draußen die Pracht der Gaben bewundern konnten.
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Von seltnen Kranzspenden und vom Loadtüachl

Reich war auch Sitte und Brauchtum um Tod und Begräbnis. Läuten in der Todesstunde und eine Aussegnung der Leichen war nicht üblich. Die Beerdigung von Erwachsenen begann um 13 Uhr mit Zug des Pfarrers, des Kantors zusammen mit den Singschülern von der Kirche zum Trauerhaus und von dort zum Friedhof.
In Kruppach hielt man es dabei so: Die Sargträger eilten dem Leichenzug voraus, um die Tragbahre in einiger Entfernung von Rocksdorf an der Straße aufzustellen. Dort erwarteten, sie dann den Leichenzug. Nachdem sie den Sarg vom Wagen genommen hatten, musste der Kutscher die Pferde zu möglichst schneller Fahrt antreiben, dass alles Stroh, auf dem der Sarg gestanden hatte davon wehte. Je mehr das gelang desto mehr galt es als gutes Zeichen.
Zuerst war immer die Beerdigung und anschließend daran der Trauergottesdienst in der Kirche. Dabei wurde in der Regel eine Predigt gehalten. "Leseleichen", das heißt Beerdigungen mit einer formelhaft vorgelesenen "Vermahnung" wurden sehr selten begehrt.
Nach der Beerdigung fanden sich vor dem Trauerhaus der Kreuzträger und der Knecht ein, der den Sarg gefahren hatten, um ein Trinkgeld zu erhalten.
Der früher übliche Leichentrunk heißt es, sei um die Jahrhundertwende abgeschafft worden, scheint aber bald wieder üblich geworden zu sein.
Kranzspenden waren äußerst selten. Höchstens wurden "tote" Kränze auf das Grab gelegt, die später wieder von den Angehörigen im Haus aufbewahrt wurden. War ein Kind verstorben, so war die Beerdigung ohne Grabrede. Die Beerdigung von Kindern unter 6 Jahren fand beim Zwölfuhr-Mittagsläuten statt. Der Kindersarg wurde von der Leichenfrau getragen, mitunter in einem Korb auf dem Rücken. Selbstmörder, deren Selbstmord keine Entschuldigung fand, wurden ohne kirchliche Handlung in einer Ecke des Friedhofs begraben.
Ältere aus dem Landl erinnern sich noch an einen seltsamen Brauch: So sei es früher bei Beerdigungen üblich gewesen, wenn man zum Kreis der Angehörigen gehörte, ein Loadtüachl zu tragen. Das war ein weißes Leinentüchlein in der Größe eines Schnupftuches, das man aufgerollt in der Hand hielt.

Bayernkarte von Philipp Apian (Ausschnitt).

Verantwort1ich: Pfr. Rudolf Kießling. Herausgegeben im Februar 1992
Kiliandruck Nürnberg

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