Ev.
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1988 wurde von Pfarrer Rudolf Kießling der folgende "Kleine Kirchenführer" herausgegeben. Wir danken Herrn Kießling dafür, dass er uns den Text zur Verfügung gestellt hat, die Ausgabe erfolgt weitgehend unverändert, aber (noch) ohne Bilder:

Inhaltsverzeichnis:
Aus der Geschichte
Ein kleiner Gang durch das Gotteshaus:
Die Kirche
Innenraum und Fenster
Altar, Kanzel und Taufstein
Glocken und Uhren
Orgel
Epitaphe
Quellen

Marktkirche Sulzbürg    
"Zur Heiligen Dreifaltigkeit"

Aus der Geschichte
Mitten im ehemaligen Markt Sulzbürg, der heute ein Ortsteil von Mühlhausen an der Sulz ist, steht die Marktkirche "Zur Heiligen Dreifaltigkeit", unübersehbar, eindeutig eine Kirche mit Geschichte. Wenn man aber dann dieser Vergangenheit nachspürt, wird die Sache schwierig: Der Befund an Überlieferung und Akten zu dieser Kirche ist mehr als dürftig. Vieles läßt sich nur vermuten, manches lediglich aus Indizien schließen. So kann dieser kleine Kirchenführer nur bedingt umfassende Auskunft und Aufschluß über diese Kirche geben. Selbst die entscheidende Jahreszahl zur Geschichte, Anlaß des Jubiläums 1988 kann nicht aus Akten belegt werden, sondern stellt sich über der Pforte dar:

IN HON.S.S.ET
INDIV.TRINIT.
MDCLXXXVIII

Das bedeutet, daß diese Kirche, "Zur Ehre des Allerhöchsten und der Unteilbaren Dreieinigkeit" 1688 - aber was: neu aufgebaut, erweitert, renoviert worden? In der Pfarrbeschreibung steht: Die Kirche ist damals von Grund auf neu gebaut worden. Anderswo ist aber zu lesen, man habe an Vorhandenes, nämlich an den Turm aus gotischer Zeit angebaut.

Ziemlich sicher ist auf jeden Fall, daß eine Vorläuferin der jetzigen Marktkirche eine Friedhofskapelle St.Georg war , die auf halber Höhe mitten im Friedhof gestanden haben muß. Von dieser Urkirche könnten die Ziegelsteine stammen, die bis in die jüngste Zeit beim Grabausheben gefunden wurden. Dann beginnt die oben genannte Unsicherheit: War schon vor 1688 an der Stelle der jetzigen Marktkirche eine kleinere Kirche, die lediglich erweitert wurde? Manches spricht dafür, daß 1688 nicht ein totaler Neubau erfolgt ist, sondern daß man auf früheren Baubestand zurückgriff. Wie gesagt, nähere Angaben habe ich nicht gefunden, auch über eine Grundsteinlegung, den Bau und die Einweihung der Kirche entdeckte ich keinen zuverlässigen Eintrag. Beim Durchsuchen der Sterbebücher wird eine Bedeutung der Marktkirche ersichtlich, die in der Pfarrbeschreibung von 1915 so erklärt wird: "Die Einträge in den Matrikeln zeigen, daß zur Zeit, als die Wolfsteiner noch regierten, die Ehre, in der Marktkirche beerdigt zu werden, den in ihren Diensten stehenden Beamten und ihren Familienmitgliedern sowie anderen adligen Personen durch besondere Gunst der Grafen zuteil wurde. Nach diesem Usus fand auch nach dem Jahre 1740 die Witwe des früheren Wolfstein'schen Kammerrates Johann Heinrich von Olnhausen ihre Grabstätte in der Marktkirche. Von Pfarrern wurde nur ein Pfarrer, Gottfried Petschely (+13.3.1779) in der Marktkirche beerdigt." Im Lauf der Zeiten folgten dann weitere Veränderungen: Aus der Kirche St.Michael, der Vorgängerin der jetzigen Schloßkirche wurden Altar und Kanzel in die Marktkirche versetzt; dafür bekam die Kirche in Kerkhofen bisherige Kanzel und Altar der Marktkirche. 1835 mußte eine neuer Dachstuhl aufgerichtet werden, weil die Balken des alten zum Teil abgefault waren. Anstelle
einer Holzvertäfelung bekam die Kirche eine verputzte Decke. Das Gitterwerk, das Chor, Empore und Gestühl verdeckte, wurde entfernt. Der Sakristeianbau mit Aufgang zur Kanzel wurde hinzugefügt. Mit einem festlichen Einweihungsgottesdienst am 22.November wurde diese gründliche Restaurierung der Kirche abgeschlossen. Von kleineren Maßnahmen, etwa der Anbringung von Dachrinnen im Jahr 1906 blieb dann die Kirche unverändert. Erst 1921 war eine weitere gründliche Renovierung notwendig geworden. Die Pfarrbeschreibung schildert das so: "Die Marktkirche befand sich in einem derart vewahrlosten und armseligen Zustand, daß das Ansehen der Gemeinde dadurch leiden mußte, zumal diese Kirche bei den meisten Nebengottesdiensten und allen Casualien benützt wird." Mittel waren vorhanden, insbesondere durch eine Stiftung des Apothekers Heinrich Nopitsch aus Freystadt. Im August begannen die Arbeiten: Verfaulte Dachbalken wurden erneuert; sämtliche Fenster der Kirche wurden teils neu erstellt, teils repariert. Anstelle des alten Ziegelpflasters kam gelbes Zementpflaster. Die Kanzel, früher in weiß und gold gehalten und auf einem Brett von Wand zu Wand postiert, wurde auf eine Säule gesetzt und im Farbton dem Altar angepaßt. Eine Nummerntafel "samt neuen Pappnummern.." wurde angeschafft. Die Orgelversetzung gestaltete sich schwierig: "Vom alten Standpunkt auf dem Fußboden, mitten in der südlichen Empore hob man sie vorsichtig empor und ließ sie ganz hin ten an der Südwand auf der um 2 Bretter verbreiterten, ehemaligen Altarstufe wieder nieder". Der Taufstein wurde "mitten im Rechteck vor dem Altargitter" aufgemauert. Bänke für etwa fünfzig zusätzliche Sitzplätze wurden angeschafft. Dazu kamen noch viele andere Schreiner- und Malerarbeiten: "Die Kirchenwände und Emporen wurden mit grauer lichter Farbe gestrichen, die Kirchenstühle aber dunkelbraun und klebefrei lackiert." Am 25.September war dann der Gottesdienst mit der festlichen Weihe. In den folgenden Jahren kamen kleine Veränderungen: Zuerst beleuchteten vier Karbidlampen die Kirche, dann kam elektrische Beleuchtung und ein längeres Hin und Her, bis man sich zu einer elektrischen Heizung durchgerungen hatte. Der sehr schadhaft gewordene Turm der Marktkirche wurde 1928 ausgebessert und die Turmspitze vergoldet. Der wichtigste Wandel hat sich aber in der Nutzung dieser Kirche ergeben: War sie ursprünglich nur Grabkirche, in der Hauptsache genutzt zu Beerdigungsgottesdiensten, höchstens noch besucht bei Christenlehre, Wochengottesdiensten und ganz bestimmten Abendmahlsfeiern, so stieg sie nach dem zweiten Weltkrieg auf zur zweiten Sonntags-Gottesdienst-Kirche und zwar im Winterhalbjahr. So trifft sich hier die Gemeinde, wenn auch nicht mehr so streng geordnet, wie es noch 1915 war: "Im Schiff der Kirche sitzen die Frauen und Mädchen; auf den Emporen sind die Sitzplätze für Männer und Burschen, neben der Orgel die Sitzplätze für die Chorschüler." Auch wird nicht mehr darüber gehandelt, wer Gastrecht in der Kirche hat, wie es einstmal festgeschrieben war: "Die Kirchengemeindeglieder von Rocksdorf haben Gastrecht in der Marktkirche". Heute sammelt sich die ganze Kirchengemeinde aus Sulzbürg und den Gemeindeteilen, Hofen, Kerkhofen, Kruppach, Rocksdorf, Wettenhofen und anderen Orten zum Gottesdienst in dieser schönen, alt-ehrwürdigen Kirche. Und der gnädige Gott gebe, daß diese Marktkirche "Zur Heiligen Dreifaltigkeit" auch weiterhin ein geistlicher Mittelpunkt für uns alle bleibe!

Ein kleiner Gang durch das Gotteshaus:

Die Kirche
Das Kirchengebäude ist 13 m lang und 9,5 m breit. Die Innenfläche beträgt etwa 145 qm und bietet rund 200 Sitzplätze. Der Turm ist 19,5 m hoch. Bedingt durch die Lage über dem Friedhof ist die Kirche vom Südwestlichen Eingangsportal zum Altarraum im Nordosten hin ausgerichtet.

Innenraum und Fenster
Der Chorraum mit seinem schlichten Kreuzgewölbe, zeigt über dem Bogen die gemalten verzierten Wappen der Wolfsteiner und Casteller, die ein Schriftfeld flankieren mit dem Zitat aus 2.Mose 20,24: "An welchem Ort ich meines Namens Gedächtnis stiften werde, das will ich zu dir kommen und dich segnen" (Ist das der Weihespruch der Kirche ?). Das nördliche Fenster im Chorraum - früher das Fenster zum Friedhof - zeigt drei kleine Glasgemälde mit Wappenschilden, davon zwei mit Inschrift: "Herr Friedrich Wilhelm Wurmrausch von Frauenberg Hochgräffl. Wolffsteinischer Stallmeister A. 1688" und "Herr Joachim Lew Hochgräffrl. Wolffsteinscher Rath Pleger zu Ober Sultzbürg und Lehenprobst. Anno 1688."

Über die Herkunft der Kreuze in der Kirche konnte ich wenig erfahren. So wird nur von dem Kreuz an der Schmalseite der Seitenempore berichtet, daß es sich um ein geschnitztes Grabkreuz handelt, das auf dem Kirchenboden gefunden worden war und überarbeitet worden ist. Das schöne Vortragekreuz von 1844 wurde erst jüngst erneuert.

Altar, Kanzel und Taufstein
Die Kanzel und der Altar, die früher die Marktkirche schmückten, verbrachte man 1719 in die Othmarkirche nach  Kerkhofen. Dafür kamen aus der Schloßkirche St.Michael Altar und Kanzel in die Marktkirche, wobei die Kanzel auf ein Brett gestellt wurde, das von einer Wand des Gevierts zur anderen ging. Erst bei der Restaurierung 1921 ersetzte man dieses Brett durch eine Säule. Von der jetzigen Kanzel und dem Altar der Marktkirche kann man in der Pfarrbeschreibung lesen: "Anno 1610 ließ Herr Johann Adam, Reichsfreyherr von Wolfstein die Michaelskirche renovieren auch einen schönen Altar, an welchem die Einsetzung des Hlg. Abendmahls zu sehen aufrichten, über welchem der Erzengel Michael fast in Mannsgröße mit seinen beiden Händen zween Schilde denen das Wolfsteinisch und Limpurgisch  einverleibt, hält. Ferner ließ in diese Kirche Sophia Louysa, Gemahlin des Grafen Albrecht Friedrich von Wolfstein 1667 eine schön neue Kanzel verfertigen, an welcher die vier Evangelisten stehen." (Die Jahreszahl muß wohl 1670 heißen, nach einer Sterbematrikel vom 27.6.1670: "die erste Leichenpredigt gewesen, so auf der neuerbauten Kanzel in der Schloßkirche gehalten ward.") Ein Eintrag in der Pfarrbeschreibung läßt vermuten, daß die Farbgebung der Kanzel zumindest ursprünglich anders war: Weiß mit vergoldeten Figuren und Verzierungen. Die Aufstellung in einer Friedhofskirche bedingte dann wohl den grauen Anstrich wie er heute noch ist. Der Altar ist aufgebaut mit vier Halbsäulen und aufgelegten Ornamentstücken. In der Predella kann man lesen: "DEDICAT HANC ARAM IOVAE BARO, IANUS ADAMUS / WOLFSTEINIUS VERAE RELIGIONIS AMANS: / ANNO MDCX. Renov. MDLLLLXXXII", was wohl in barock schwulstiger Sprache bedeuten soll, daß Johann Adam von Wolfstein, "der die wahre Religion liebt" diesen ALtar gestiftet hat. Über dem Aufsatz sieht man in der Mitte fast lebensgroß den Erzengel Michael, der die zwei Wappen von Wolfstein und des Schenk von Limpurg hält. Das Altargemälde stellt den Besuch Jesu bei Maria und Martha in Bethanien dar. Es stammt von einem Leinwandepitaph. Darüber gibt eine Inschrift auf der Rückseite des Altares Auskunft: "Zum Gedächtnis an die Wohl-Edel geborene Frau Maria Barbara Lewin, des Geschlechts Schleicherin geboren  zu Nürnberg am 6.3.1641, gestorben zu Sulzbürg am 22.Mart.1694, Gemahlin des Joachim Lew." Früher muß nach verschiedenen Quellen eine Abendmahlsdarstellung den Altar geschmückt haben.

Glocken und Uhren
Im Turm hängen in einem hölzernen Glockenstuhl drei Glocken. Die große Glocke mit einem Durchmesser von 70 cm und einer Höhe von 67 cm, trägt die Aufschrift:  "CHRISTIAN ALBRECHT GRAF VON WOLFSTEIN / HERR ZU OBERSULZBÜRG UND PÜRBAUM / DES KÖNIG: DÄNISCHEN ELEPHANTEN / ORDENS RITTER" samt Wappen und meldet weiter: "Anno 1736 goß mich Christian Viktor Herold in Nürnberg". Diese Glocke hat eine weite Reise hinter sich: 1942 war sie wie viele andere Glocken auch konfisziert worden. 1948 kehrte sie nach Sulzbürg zurück, nachdem sie in Hamburg entdeckt worden war. Die mittlere Glocke, mit einem Durchmesser von 56 cm und einer Höhe von 46 cm trägt ein Schriftband: "Anno 1736 goß mich Christian Viktor Herold in Nürnberg" und ist mit Wappen geschmückt.

Die kleine Glocke, mit einem Durchmesser von 56 cm und 46 cm Höhe, mit einem nicht mehr zu entziffernden Schriftband hat ebenfalls eine, wenn auch kürzere Reise hinter sich: Sie wurde 1964 aus der Schloßkirche in die Marktkirche überführt, da ihr Ton nicht in den Zusammenklang der Geläute von Schloßkirche und Katholischer Kirche paßte.

Die Marktkirche hat zwei Uhren: Ein mechanisches Werk, das jeden Tag vom Mesner aufgezogen werden muß, das die drei Zifferblätter und den Viertel- bzw. Stundenschlag zu besorgen hat und eine elektrische Schaltuhr in der Sakristei, die das Gebetläuten steuert. Diese Regelung ergibt sich aus alten Rechten: Die politische Gemeinde ist für Kirchturmuhr mit Zifferblättern und Stundenschlag zuständig, das Gebetläuten aber ist Aufgabe der Kirchengemeinde.

Orgel
Auf der Empore steht die kleine Orgel mit barockem Gehäuse. Das Werk ist teilweise "jüngeren" Datums; die Disposition weist sie als "romantische Orgel" aus, wie man sie Anfang dieses Jahrhunderts bis in die Zwanziger Jahre baute: Sie hat aber eine mechanische Traktur, mit einem verkürzten, ungewohnt liegenden Pedal, was eine Umstellung des Organisten erfordert, der "normale" Orgeln gewohnt ist. Sie hat vier Register: Prinzipal 4' - Salicional 8' - Flöte 4' - Gedeckt 8' und knapp 200 Pfeifen.

Epitaphe
Als Friedhofskirche mit Bestattungen im Kirchenschiff gehören zur Marktkirche verschiedene Epitaphe. Das bemerkenswerteste, rechts im Kirchenschiff, ist ein Werk des bekannten Nürnberger Künstlers Joh.Mart.Romsteck, der dort mit kunstvollen Grabsteinen bekannt geworden ist. Dieses Epitaph erinnert an Klara Maria von Mühlholz auf Kirchenreinbuch, geboren am 25.4.1713 zu Sulzbach, verstorben am  4.4.1736 - im Alter von 23 Jahren! Das Epitaph zeigt ein von zwei verschleierten Karyatiden flankiertes Schriftfeld , mit posaunenblasenden Engel am Giebel und seitlichem, trauernden Genius. Am unterem Rand kann man lesen: "Joh.Mart.Romsteck Fecit in Nürnberg". Der zugehörende, eigentliche Grabstein aus Kalkstein mit gegossenem Bronzewappen liegt im Mittelgang am Boden - für viele ein Stolperstein in unserer Marktkirche!

Im Altarraum links ist ein Epitaph auf Holz: König David in reich geschnitztem Rahmen, "für Helene Susanna Waldstromer von Reuchelsdorf" ( + 7.8.1666).

Im Chorraum hängt rechts ein Epitaph auf Leinwand und stellt St.Petrus dar. Es wurde errichtet "Für Joachim Lew, hochgräflich Wolfstein, Rat und Pfleger zu Obersulzbürg und Lehensprobst" geboren am 27.3.1630 zu Lößlin in Pommern, verstorben am 3.6.1695 zu Obersulzbürg).

Zu diesem Leinwandepitaph gehörten noch zwei weitere: Eines war für Frau Maria Barbara Lewin errichtet worden mit der Darstellung des Besuches Christi bei Maria und Martha. Dieses Gemälde wurde als Altarbild verwendet, wie auch ein Text auf der Rückseite des Altares anzeigt. Ein weiteres, leider sehr verderbtes Epitaph auf Leinwand stellte die Auferweckung des Lazarus dar und war zum, Gedächtnis für Wolfgang Rechpacher, Freihherrl. Wolfstein. Lehensprobst (+ 8.2.1647), sowie seine Frau Regina, geb. Schneeweissin, (+ 4.3.1647) und deren Tochter Anna Sophia (+ 28.3.1659) bestimmt und ist derzeit im Landlmuseum aufbewahrt.

Rudolf Kießling

Quellen: "Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern",                   
Pfarrbeschreibung und Akten des ehemaligen Pfarramtes Sulzbürg/Rocksdorf.

16.Oktober 1988, Evang.Luth.Pfarramt Sulzbürg, Engelgasse 2, Telefon 09185-287
 

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