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Sulzbuerger Wappen
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Kurzbeschreibung:
Die Evangelische Schlosskirche St. Michael steht auf dem Schlossberg und bildet zusammen mit der benachbarten Katholischen Kirche “Maria Sieben Schmerzen” das weithin sichtbare Wahrzeichen von Sulzbürg. Erbaut wurde sie 1719 - 1723 vom Grafen Christian Albrecht von Wolfstein. Es handelt sich um eine protestanische Barockkirche mit Kanzelaltar. Unter der Kirche befindet sich eine (nicht zugängliche) Gruft mit 12 Särgen.

Ausführliche Beschreibung:
Die folgende, ausführlichere Beschreibung beruht auf der Festschrift von 1990 zur Wiedereinweihung nach der Renovierung. Wir danken Pfr. Kießling, der uns den Text zur Verfügung gestellt und Franz Holzer, der ihn für diese Veröffentlichung überarbeitet hat. Die dazugehörigen Original-Bilder fehlen z.Zt. leider noch.

Inhalt:
Rückblick in die Geschichte
Die Gruft wird freigelegt
Die Fresken in der Schlosskirche
Quellen

Rückblick in die Geschichte

Die Geschichte der Schlosskirche St. Michael in Sulzbürg bietet seit ihrer Errichtung in den Jahren 1719 bis 1723 viele Veränderungen. Diese erstrecken sich auf den Kirchenbau selbst, ebenso auch auf deren Besitzer. Der Vorgängerbau der Schlosskirche, aller Wahrscheinlichkeit nach schon aus dem 15.Jahrhundert datierend, erfuhr vor allem Anfang des 17.Jahrhunderts vielfältige Umbauarbeiten. 1719 begann man mit dem Abriss des alten, baufälligen Gemäuers. Verantwortlich für den Neubau waren, wie schon beim Vorgängerbau, die Grafen zu Wolfstein.

Noch bei der Kirchweihe 1723 war man von Wolfsteiner Seite guter Zuversicht, was das Fortbestehen der Familie anbetraf. Der junge Graf Friedrich Wilhelm August vollzog sowohl bei der Grundsteinlegung als auch bei der Weihe neben seinem Vater Christian Albrecht von Wolfstein wichtige Teile der Feierlichkeiten.

Doch in der ersten Hälfte des 18.Jahrhunderts änderte sich die Situation der Wolfsteiner und damit verbunden auch die Besitzverhältnisse um die Schlosskirche St. Michael:

1740 verstarb Graf Christian Albrecht von Wolfstein. Mit ihm erlosch die Wolfstein'sche Herrschaft über das "Landl" mit dem Sitz Sulzbürg und der Residenzkirche, der Schlosskirche St. Michael. Dieser Besitzwechsel hatte sich schon angedeutet im Jahr 1728, als der Erbgraf Friedrich Wilhelm August im Alter von 12 Jahren verstorben war. Längst zuvor hatten die bayerischen Kurfürsten vorgesorgt: Im Jahr 1562 bereits hatten sich die Wittelsbacher, in deren oberpfälzischem Besitz das Wolfstein'sche Land als eine Enklave lag, durch Kaiser Ferdinand die Anwartschaft auf das Wolfsteinische Herrschaftsgebiet zusichern lassen. 1740 nun wurde die Grafschaft nach einigen Prozessen und Verhandlungen "Hofkammergut der Wittelsbacher". Bayerische Beamte verwalteten das Land.

Es begann für die evangelischen Gemeinden im Landl eine harte Zeit der Bewährung gegen die Katholisierungsbestrebungen der bayer. Kurfürsten, besonders Maximilian III. Joseph. Zum Denkmal für diese Auseinandersetzungen wurde die weithin sichtbar das Land überragende Schlosskirche auf dem Schloßberg zu Sulzbürg. Ab 1755 sollte die Schlosskirche dem katholischen Gottesdienst vorbehalten sein für die Beamten und Bediensteten mit ihren Familien, die nach Sulzbürg und Umgebung gekommen waren und deren Zuwanderung gezielt gefördert worden war. So wurde die Schlosskirche für den evangelischen Gottesdienst gesperrt. Dem Protest der Evangelischen der Kirchengemeinde Sulzbürg-Rocksdorf bei allen möglichen Stellen und ihrer Standhaftigkeit -  36 Wochen hatten sie ihre Gottesdienste vor der Schlosskirche gehalten - war es vor allem zu danken, dass der Kurfürst einlenkte und diese Kirche den "Protestanten" überließ.

Vor dem Hintergrund der bayerischen Kirchengeschichte sieht das so aus:
Nachdem das Wolfstein'sche Gebiet an Bayern gefallen war, war es der erste evangelische Landesteil, der zu dem bisher geschlossen katholischen Kurbayern kam und evangelisch blieb! Anders ausgedrückt: Im "Landl", in Sulzbürg hat die bayerische Evang.-Luth.Landeskirche ihren Anfang. Die Schlosskirche spielte dabei eine herausragende Rolle: Heute würde man sagen: Sie ist die erste evangelische Bischofskirche in Bayern.

So schaffte es die Sulzbürger Bevölkerung 1756, die Schlosskirche für den evangelischen Gottesdienst zu sichern. Das brachte freilich die Folge, dass seit dieser Zeit die hiesige evangelische Kirchengemeinde für alle Aufwendungen einschließlich der anfallenden Baukosten einzustehen hatte.

Der Zeitpunkt der ersten Umbauten, bei denen das Westportal zugemauert und die Emporentreppen eingefügt wurden, ist nicht bekannt, dürfte aber noch im 18. Jahrhundert anzusetzen sein. Als 1840 an der Kirche besonders im Bereich des Gewölbes größere Schäden festgestellt wurden und die Erneuerung des Dachstuhles und des Gewölbes unabwendbar erschienen, versuchte die Kirchengemeinde zunächst die Baukosten vom bayerischen Staatsärar zu fordern, doch blieben diese Bemühungen vergeblich. Im Jahr 1844 erhielt das Gotteshaus ein neues Deckengewölbe mit einem am Vorgänger orientierten Gemälde. Die Außenmauern wurden erhöht und eine zweite Empore eingezogen.

Im Jahr 1905 erfolgte eine Renovierung, die erneut das Erscheinungsbild der Kirche veränderte. Die damals neu eingebaute Orgel erklingt noch heute. Im Laufe der folgenden Jahre kamen weitere Arbeiten, darunter der Einbau von Säulen, die die Seitenemporen abstützten; später wurden diese wieder entfernt und durch Eisenanker ersetzt, die die Empore von der Außenwand her zu tragen hatten. Zuletzt ist neben kleinen Änderungen und Farbanstrichen eine größere Außenerneuerung zu nennen.

Die Gruft mit der gräflichen Grablege wurde zwar mehrmals geöffnet, doch erfolgte hier bisher weder eine umfassende Bestandsaufnahme noch eine Renovierung.

1987 war eine erneute, umfassende Renovierung erforderlich. Sie betraf sowohl das Äußere, wie auch das Innere der Kirche und wurde unter Einsatz größerer finanzieller Mittel aus verschiedenen Quellen durchgeführt. Immer wieder musste der Umfang der Instandsetzungsarbeiten erweitert werden, weil neue Schäden auftauchten, die beseitigt werden mussten. So dauerte diese Renovierung in drei Bauabschnitten bis 1990, und wurde zum 250. Todestag des Grafen Christian Albert von Wolfstein zum Abschluss gebracht.
Als Beispiel für die vielen Überraschungen, welche das Sanierungsteam erlebte, sei eine Anekdote aus der Jubiläumsschrift des Pfarrers Kießling angeführt:

Die Gruft wird freigelegt

Viele Freiwillige halfen mit beim Entfernen der Kirchenbänke und brachten sie in eine Scheune und ein Lagerhaus zur Zwischenlagerung. Unter den Kirchenbänken fand man Ziegelsteine ausgelegt in einem ungewöhnlichen Format, die vermutlich in Sulzbürg gebrannt worden waren. Sie sollten später wieder ihren Platz unter den Bänken finden. Nachdem der Kirchenboden freilag, konnten die Maurer mit dem Herausreißen der alten Solnhofer Platten beginnen.

An zwei Stellen der Kirche, rechts vorne im Altarraum und ganz hinten im Mittelgang klang es hohl beim Arbeiten. Groß war die Spannung, was dort zu Tage treten würde. Am 7.Juli 1989 war es dann so weit: Unter dem Steinboden und einer Schutt- und Schotterbettung stieß man auf Eichenbohlen die einen Treppenniedergang verdeckt hatten. Eine wunderliche Entdeckung war das erste: Auf der zweitobersten Stufe lag ein gelber Tennisball. Wie ist der dorthin gekommen, an eine Stelle, die seit 67 Jahren unzugänglich war? Vermutlich durch ein Tier, das durch die schmalen Fensterluken im Sockelbereich der Kirche eingeschlüpft war.

Wir stiegen ins Dunkel hinab in einen Vorraum vor ein doppelflügeliges Holztor. Wir öffneten es und gelangten in die große Gruft der Wolfsteiner Grafen mit 12 Grablegen, teils in Sarkophagen, teils in Bodengräbern. Erschütternd war der Zustand des Raumes: HolzsärgeKindersärge zerstört und auseinander gerissen, bei den Fensteröffnungen Berge von hereingeworfenem Unrat. Zinnsärge mit Löchern und anderen Beschädigungen. Ein Kinderschädel, ein mumifiziertes Huhn, eine Plastikkinderpistole, Stoffüberbleibsel, Knochen usw. Es ist nicht anders zu erklären, als das Werk von Tieren, Fuchs, Katze oder Marder, die dort unten gewütet hatten - und von Menschen, denen alles zur Müllkippe wird. (Bilder von der Gruft)

Auch das Rätsel um die andere hohl klingende Stelle im Steinboden klärte sich. Hier war ehemals die Öffnung, durch die die Särge vom Trauergottesdienst zur letzten Ruhe hinabgelassen wurden.

Gerne hätten wir die Gruft in Ordnung gebracht. Aber das würde unseren finanziellen Rahmen weit sprengen. Im Übrigen meinen wir, dass das eine Aufgabe des Bayrischen Staates ist, als Rechtsnachfolger der Kurfürsten, die die Wolfsteiner beerbten; Sorge um die Würde der Totenruhe wäre da das Mindeste. Wir haben jedenfalls das unsere hiezu getan: Ein Sperrgitter wurde vor der eigentlichen Gruft angebracht, der Treppenniedergang wird durch Bohlen verschlossen, die Fensteröffnungen durch enges Maschengitter für Unrat und Eindringlinge versperrt.

Für zwei Tage, Ende Juli 1989 wurde Interessierten ein Besuch im Vorgewölbe der Gruft ermöglicht; von dort aus konnte man einen Blick auf die Grabstätten der Wolfsteiner werfen. Rund 700 Besucher erlebten da ein wenig vom Hauch der Geschichte.

Mit dem Zimmermann zusammen fanden wir eine Lösung, wie das mit dem Abschließen der Treppe zur Gruft werden soll: Die Eichenbohlen der alten Abdeckung waren so gut erhalten, dass sie aufgearbeitet und wieder verwendet werden konnten. Anstelle einer Tafel zur Erinnerung an die Kirchenrenovierung wird in sie eingeschnitzt:

"7.7.1989 WOLFSTEINER GRUFT FREIGELEGT
SCHLOSSKIRCHE ST. Michael / 1719 - 1723 ERBAUT
1844 - 1845 NEUE KIRCHENDECKE EINGEZOGEN
1987 - 1990 UMFASSEND INNEN UND AUSSEN RENOVIERT".

Bei allen Arbeiten an der Schlosskirche St. Michael zog sich eines durch: Die überdurchschnittlich hohe Mitarbeit der Gemeindeglieder bei allen Bauaktionen zugunsten ihrer Kirche. Waren die Hand- und Spanndienste früher durchgängige Praxis bei den Kirchenbauten und den nachfolgenden Reparaturen - mitunter eine Art Frondienst - so zeigt die freiwillige, rege Mitarbeit der Gemeindeglieder gerade bei der jüngsten Renovierung die hohe Wertschätzung "ihrer" Schlosskirche St. Michael zu Sulzbürg.

»Als man das Münster zu Freiburg baute, fragte man drei Steinmetzen nach ihrer Arbeit. Der eine saß und haute Quader zurecht für die Mauern der Wand. "Was machst du da?" "Ich haue Steine." Ein anderer mühte sich um das Rund einer kleinen Säule für das Blendwerk der Tür. "Was machst du da?"  "Ich verdiene Geld für meine Familie."  Ein dritter bückte sich über das Ornament einer Kreuzblume für den Fensterbogen. "Was machst du da?" "Ich baue eine Kirche."«

Eines aber hat immer wieder besondere Freude gemacht: Natürlich war Arbeit an der Schlosskirche für die Handwerker auch Arbeit für den Lebensunterhalt - "Was machst du da?" "Ich verdiene Geld für meine Familie." Natürlich ist Arbeit am Bau auch Hand- und mitunter Knochenarbeit, ich denke dabei an die Handwerker und die vielen Gemeindeglieder, die zur Stelle waren, wenn es nötig wurde - "Was machst du da?" "Ich haue Steine." Beeindruckend war aber immer wieder bei Handwerkern und den vielen, die irgendwie mithalfen, diese Freude des dritten Steinmetzen in der Geschichte: "Was machst du da?" "Ich baue eine Kirche."

Und wieder beweist sich, was so oft schon der höchste Schmuck dieser Kirche war: Nicht ihre Pracht, nicht das schöne, interessante Bauwerk - die Menschen die hierher kommen, die hier zu Hause sind, machen es aus. Die nicht irgendeine Residenzkirche oder irgendeinen Kunsttempel suchen, sondern den Herrn, der sich zu uns in Christus neigt und verheißt, wie es schon über der Einweihung 1723 stand: "Gott hat Lust, auf diesem Berge zu wohnen", (Psalm 68,17).

Die Fresken in der Schlosskirche

1844/45 musste das ursprüngliche, höhere Tonnengewölbe durch ein flacheres Spiegelgewölbe ersetzt werden. Über das Deckengemälde wird berichtet, dass das "frühere symbolische Bild" von Johann Andreas Gebhard auf die neue Decke durch den Neumarkter Kunstmaler Sartorius wieder "aufgemalt wurde".

Farbgebung und stilistische Ausarbeitung des neuen Gemäldes entsprechen in etwa dem Zeitstil der vierziger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Vom Originalgemälde wurden durch Sartorius das Bildthema und auch die Komposition übernommen. Er bediente sich dabei zur Bildübertragung eines Quadratrasters, das man heute noch stellenweise beobachten kann. Vermutlich wurde dieses Gitter nicht übermalt, um darauf hinzuweisen, dass es sich um eine Kopie handelt.

Das Hauptgemälde zeigt auf einer in sechs Stufen zum Himmel hinaufführenden Treppe verschiedene religiöse und sakramentale Gegenstände, präsentiert durch fünf Engel und eine weitere Person. Auf den unteren Stufen liegen ein zweiteiliges, durch eine Kette verbundenes Joch, die Dornenkrone und eine gestürzte Krone. Links davon sitzen drei kleine Engel. Über dieser Gruppe sind am linken Bildrand hintereinander ein Taufstein und ein Altar angeordnet.
Letzterer besitzt einen Aufbau, in dessen von zwei Säulen flankierten Nische ein Kruzifix und ein Kerzenhalter stehen; auf dem Altartisch findet sich der Abendmahlskelch mit einer Hostie darüber.

Leicht nach links aus dem Bildmittelpunkt gerückt liegt ein Lamm auf einem Buch mit sieben Siegeln, hinter diesem steht ein größerer Engel mit ausgebreiteten Armen (St. Michael ?), andächtig zum Himmel hinauf blickend. Die rechte Bildhälfte dominiert ein Kreuz, das von einem kleinen, schwebenden Engel gehalten wird. Wiederum voller Andacht sieht eine andere Person zum Himmel empor, gleichzeitig den Kreuzesstamm mit ihrem linken Arm umgreifend und die rechte Hand auf die Brust legend. Im oberen, farblich abgesetzten Bereich des Himmels befindet sich das Gottessymbol - als Auge innerhalb eines Dreiecks - in einer mit sechs geflügelten Engelsköpfen umrahmten Strahlengloriole.

Dem Betrachter werden hier verschiedene mit Glaubensinhalten versehene Symbole und Bildbestandteile vorgeführt. Eine Gesamtdeutung des Bildes ist nicht einfach: Als Glaubens- und Bekenntnisbild aufgefasst, kann das Gemälde in seinen Grundzügen jedoch als Sichtbarmachung evangelischer Glaubensinhalte verstanden werden. Dabei dient das apostolische Glaubensbekenntnis bei einigen Bildmotiven als Textgrundlage: Das Gottessymbol steht dabei für den ersten Teil des Glaubensbekenntnisses. Das Kreuz und die Dornenkrone weisen auf Christus hin, seine Überwindung des Reiches des Todes symbolisiert die gestürzte Krone unterhalb des Kreuzes. Das Selbstverständnis der Kirche wird durch die beiden sakramentalen Bestandteile des Altars und des Taufsteins versinnbildlicht. Lamm und Buch mit den sieben Siegeln erinnern an des Weltgericht (Offenb. 5), und können außerdem noch als Hinweis auf die Predigt gedeutet werden, die in ihrer Wichtigkeit im Gottes dienst einem Sakrament nahezu gleichgestellt war. Mehrere Bibelstellen liefern für das Joch die Deutung: Befreiung des Menschen durch Gott in Christus. Im Bild kann dies sakramental auf die Erlösung des Menschen von den Sünden oder konfessionell auf "die Befreiung aus dem kath. Irrglauben" (L. Fischer) bezogen werden.

Am Sockel der Treppe beginnend wird insgesamt der Lebensweg eines Christen und dessen Glaubensinhalte gezeigt. Gott erlöst den Menschen durch den Kreuzestod Christi und befreit ihn von Sünden und Irrglauben. Daneben bietet Gott von sich aus den Christen durch Wort und Sakrament das Heil an. Die höchste erreichbare Stufe stellt für die Christen "das Schauen Gottes ... die verheißene Erfüllung des Glaubens dar" (Fr. Kalb). Die Engel sind den Gläubigen dabei zur Seite gestellt und erfüllen mehrere Funktionen: Sie dienen dem Betrachter als Vermittler und Helfer zum rechten Glauben und zur Andacht. Sie stellen zudem das Gefolge Gottes dar und übernehmen Dienste bei den Sakramenten.

Neben diesem Hauptbild erscheinen auf vier Einzelbildern an den Ecken die Evangelisten mit ihren Attributen: Matthäus - Mensch, Markus - Löwe, Lukas - Stier, Johannes - Adler.

An der Decke des Herrschaftsstands befindet sich eine dreiteilige christologische Bildfolge. Die Darstellungen von Taufe, Abendmahl und Kreuzigung folgen in ihrer Art weitgehend bekannten Schemen.

Durchgängig werden die Bilder streng von dem architektonischen Untergrund der Decke getrennt. An der Decke des Herrenstands sind die drei Darstellungen  in eigene stuckierte Rahmen eingefügt. Im Hauptgemälde  des Spiegelgewölbes wird trotz der Darstellung einer Treppe, eines architektonischen Bildbestandteils also, die Architektur des realen Kirchenraums nicht fortgesetzt oder überhöht. Das Bild wirkt als eigenständiges Element auf der Deckenfläche. Diese wird lediglich als neutraler architektonischer Untergrund aufgefasst.

Die Bilder schmücken somit den Innenraum und sind  für dessen Gesamtgestalt und den gottesdienstlichen   Verlauf nicht unbedingt notwendig. Dies entsprach dem evangelisch-lutherischen Kunstverständnis, das Bilder nicht generell verboten hat, sondern diese unter  bestimmten Voraussetzungen billigte. Bilder, wie auch die Ausstattungsstücke des Kirchenraums wurden als 'Adiaphora'  angesehen: Sie waren von sich aus weder gut noch böse. Erst die entsprechende Verwendung entschied über ihre Bewertung. Eindeutig verboten war die  Verehrung bildlicher Darstellungen, seien es Gemälde  oder Plastiken. Dagegen hat Martin Luther Bilder "zum ansehen, zum zeugnis, zum gedechtnis zum zeychen" erlaubt. Bilder, die aus einem Streben nach würdigem  und schmuckvollem Aussehen im Kirchenraum ihre Verwendung ableiteten, hatten vor allem eine belehrende Funktion zu erfüllen. Mit ihrer Hilfe sollte in heilsgeschichtlichen Bilderzyklen die Bibelkenntnis verstärkt  werden, sie sollten so das Wort der Predigt ergänzen.

Die Anbringung von Bildern in der Schlosskirche stimmt somit mit der theologischen Lehrmeinung überein. In der lutherischen Tradition sind die Bilder selbst nicht verboten, sondern nur ihr Missbrauch. Auch mit ihren heilsgeschichtlichen Bildinhalten und mit der auf theoretische Glaubensfragen bezogenen Bildaussage bleibt die künstlerische Ausgestaltung dieser Kirche mit der herkömmlichen und auch häufig angewandten protestantischen Kunstauffassung verbunden.

Quellen: Pfarrbeschreibung und Akten des Pfarramtes Sulzbürg. / Theodor Stark, "Das Landl", Neumarkt 1949 / Helmuth Meißner: "Kirchen mit Kanzelaltären in Bayern", München-Berlin 1987 / Gotthard Kießling: "Die Schlosskirche St. Michael in Sulzbürg. Ein evangelischer Kirchenbau des 18.Jahrhunderts", München 1990.
 

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